Arbeit mit Auszeichnung

Mit dem «IEC 1906 Award» ehrt die internationale Elektrotechnische Kommission (IEC) Personen, die sich durch hervorragende Leistungen im technischen oder organisatorischen Bereich eines aktuellen Normenprojekts verdient gemacht haben. Von den über 20 000 Normenexperten, die in der IEC mitarbeiten, werden weltweit jährlich nur rund 160 Personen ausgezeichnet und damit ihre wertvolle Arbeit für die Normenerstellung gewürdigt. Josef Schmucki von Electrosuisse ist eine der neun Personen aus der Schweiz, die im vergangenen Dezember diese prestigeträchtige Auszeichnung entgegennehmen durften.


Interview mit Josef Schmucki

Josef Schmucki ist dipl. Elektroinstallateur und arbeitet als Projektleiter im Bereich Weiterbildung bei Electrosuisse. Er ist Spezialist und Referent für Installationsnormen und Autor von verschiedenen Fachpublikationen.

Zuallererst: Herzlichen Glückwunsch! Wofür genau hast du diese Auszeichnung erhalten?

Dazu steht auf meiner Urkunde: «Die IEC drückt ihre aufrichtige Wertschätzung für den wertvollen und nachhaltigen Beitrag aus, indem sie Josef Schmucki als Anerkennung für seine langjährige und hervorragende Arbeit als einer der wichtigsten Experten auf dem Gebiet der Sicherheitsmassnahmen in der Elektroinstallation, insbesondere der Massnahmen zum Schutz gegen elektrischen Schlag auszeichnet. Aufgrund dieses breiten und detaillierten Wissens über die Anforderungen an elektrische Anlagen hat er viele Jahre lang an der Entwicklung mehrerer Teile der IEC 60364 und der grundlegenden Sicherheitspublikation IEC 61140 mitgewirkt.»

Die Normenreihe 60364 bildet bei uns die Grundlage für die SN 411000 (NIN).

Hat deine Urkunde einen würdigen Platz gefunden?

Ich denke schon, sie hängt in meinem Büro. Den Pin werde ich wohl weniger tragen. Die «Gelegenheiten» dafür sind rarer geworden, denn der Dresscode ist heute lockerer. Gegenüber früherer Zeiten trägt man z.B. an den Sitzungen heute nur noch gelegentlich Anzug mit Kravatte (schmunzelt).

Wie lange arbeitest du schon in der Normung und speziell im TC 64 mit?

In der Schweiz habe ich Ende 1998 zum ersten Mal an einer Sitzung des CES TK 64 teilgenommen – an internationalen Sitzungen bin ich seit 2006 dabei.

Welche Themen werden im TC 64 behandelt und wie viele Personen arbeiten dort mit?

Im nationalen TK 64 befinden sich 13 Experten. Davon arbeiten drei ebenfalls international in unterschiedlichen Arbeitsgruppen mit. Diese Arbeitsgruppen sind thematisch gegliedert. Die Aufteilung «gleicht» dem Register der NIN. Die Working-Groups oder Maintenance-Teams (Arbeitsgruppen) arbeiten beim IEC und im Cenelec sehr ähnlich. Auch die personelle Besetzung ist sehr ähnlich. In den internationalen Arbeitsgruppen sind oft ca. 30 Mitglieder eingetragen, wobei an den Sitzungen regelmässig 15 – 20 Personen teilnehmen.

Was ist das Besondere an dieser Arbeit für dich?

Ich arbeite in all jenen Arbeitsgruppen mit, in denen ich meine höchste Kompetenz einbringen kann. Ich finde die meisten Themen, die wir besprechen, sehr spannend. Ich verfüge über die nötige Geduld, aber auch Beharrlichkeit, um die Anliegen gut begründet in die Diskussion zu bringen und Argumente zu liefern, die alle Teilnehmer überzeugen.

Was hat die Arbeit im TC 64 mit deinem Alltag zu tun? Wie beeinflussen dich diese Tätigkeiten in der Praxis?

…diese Arbeiten sind ein Teil meines Alltags. Ich kann mein Wissen meinen Kollegen bei Electrosuisse, unseren Kunden und den Schulungs- und Tagungsteilnehmern weitergeben.

Warum ist es wichtig, in Normengremien mitzuarbeiten?

Einerseits kann man die Normen mitgestalten – man kann echt mitreden – und zum anderen bringt es Informationsvorsprung. Das Mitspracherecht und der Informationsvorsprung bringen Vorteile für die Hersteller, Prüfinstitute usw. Bei Electrosuisse können künftige Entwicklungen für die Normenarbeiten früh erkannt werden und somit auch rechtzeitig in die Weiterbildung einfliessen.

Wieviel Zeit muss man neben der täglichen Arbeit für die Mitarbeit im TC einplanen?

Das Pensum hängt sehr vom Engagement ab – und bestimmt auch umgekehrt. Ca. 70 % meines Pensums bedeuten für mich Normenarbeiten – und dies eben national und international. Die gesamte Normierungsarbeit «ist Sache der Industrie» und somit Milizarbeit. Dafür werden keine Steuergelder eingesetzt.

Kann man Normen überhaupt nachhaltig beeinflussen? Falls ja, wie?

Ja klar, indem man dort aktiv mitarbeitet! Wenn man dies gewissenhaft macht und auch auf Kompromisse eingehen kann ohne dabei die wichtigen Ziele, nämlich den Personen- und Sachenschutz, aus den Augen zu verlieren, wird man vielleicht sogar eines Tages mit dem IEC 1906 Award ausgezeichnet.

Macht Ihr da auch neue Normen und gelten die dann weltweit?

Selbstverständlich entstehen immer neue Normen. Es wird ein ständiges Wechselspiel der Entwicklung zwischen der Technik und den Normen bleiben. Das ist schon fast eine «Huhn-Ei-Frage». Einige Resultate daraus, die die Unfallzahlen drastisch positiv verändert haben oder bei denen die Technik grosse Fortschritte gemacht hat, sind: Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen, Schmelzsicherungen und Leitungsschutzschalter. Bei Steckern und Steckdosen sind dies Schutzleiter, Schutzkragen, teilisolierte Steckerstifte und vieles mehr.

 

 

IEC 1906 Award (Blog)

Was sind Normen

Normung und Recht, der rechtliche Status von Normen (PDF)

Mit Normen zum Erfolg Infobroschüre (PDF)

Normen kaufen (Web-Shop Electrosuisse)

«Gesetzliche Grundlagen» (Art-Map, kostenlos)

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Fotos + Video: Electrosuisse

 

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