Aulo oder Veto? ENUU!

Es ist weder Auto noch Velo, sondern ENUU. ENUU ist ein elektrisches Leichtfahrzeug auf vier Rädern. Es ist das Herzstück eines ergänzenden Sharing-Mobilitätskonzepts für Städte.

Die mangelhafte Luftqualität in den Grossstädten wird zunehmend zum Thema. Es dürfte eine Frage der Zeit sein, bis Fahrzeuge mit Verbrennungsmotoren gänzlich aus den Innenstädten verbannt werden. Hier setzt die Idee mit dem elektrischen Leichtfahrzeug der Start-up-Gründer an, denn nicht alle Städte sind so gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen, dass künftige Mobilitätsbedürfnisse wirklich bewältigt werden könnten. Das entwickelte Leichtfahrzeug darf ohne Führerausweis gefahren werden. Überall dort, wo Fahrräder gefahren werden, dürfen sich auch ENUUs bewegen. Dies verleiht den noch etwas behäbig wirkenden Fahrzeugen einen riesigen Einsatz- und Bewegungsspielraum.

Erste Tests in der Schweiz

Vor etwas mehr als zwei Jahren hatten die zwei Bieler Jungunternehmer Luca Placi und Yoann Loetscher beschlossen, die Mobilitätslücke zwischen Fahrrad/Motorrad und Autos mit einem geschlossenen Leichtfahrzeug für Jedermann zu schliessen. Mittlerweile beschäftigen sich drei Personen 100 % und weitere vier Teilzeitangestellte um die Weiterentwicklung des Fahrzeugs sowie den Aufbau des Start-up-Unternehmens. In Nidau bei Biel betreiben sie im Co-Workingspace «Fablab» den administrativen Bereich und in Biel ihre Werkstatt. Effektiv produziert wird das Gefährt allerdings bei einem Partner-Hersteller in Asien. Dieser vermag einerseits auch eine Grossproduktion zu bewältigen und den allfälligen Marktzugang in Asien zu begünstigen. Den Fokus richten die Jungingenieure mittelfristig auf Europas Grossstädte. Doch beginnen wird erst mal alles im Kleinen. Biel bietet sich als Standort und Testumgebung an. In Genf, Basel und Zürich laufen Gespräche, 2019 ENUU-Fahrzeuge einzuführen. Interessant dürften diese Leichtfahrzeuge auch als fahrende Werbeflächen werden. Mit ihren Voraussetzungen bezüglich Nutzung und Zugang in die «Nervenzentren» der Städte dürften ENUUs auch zu interessanten fahrenden Werbeflächen werden.


Erfahren Sie weitere Einzelheiten im Interview mit Ivan Walter Jankovics, Key Account Manager ENUU Ltd., Switzerland:
 

Wie viele Personen finden im ENUU Platz? …inkl. voller Einkaufstasche?

Im Enuu findet eine Person inkl. voller Einkaufstasche Platz. Das Platzangebot ist grosszügig. Im Fahrzeug sitzt man und bleibt bei Regen sogar im Trockenen.

 

Was bedeutet eigentlich «ENUU»?

Enuu steht für Efficient und Neu also effizient neu.

 

Für wen, resp. für welchen Zweck ist es gedacht?

Das Konzept deckt den Nahverkehr ab. Die Fahrzeuge fahren maximal 30 km/h und können per Knopfdruck auf 20 km/h reduziert werden. Das hat den Vorteil, dass man somit keinen Führerschein benötigt. Mit diesem Konzept kann man das Zentrum einer Stadt vom hohen Verkehrsaufkommen entlasten. Insbesondere die Zone um die Bahnhöfe soll entlastet werden.

Zur Zielgruppe gehören alle Personen, welche sich effizient und günstig fortbewegen wollen. Dies kann der Weg zu einem Meeting oder auch einmal ein grösserer Einkauf sein.

 

Was kostet dieses Vehikel? …und die Teilnahme an diesem Programm?

Die Fahrzeuge werden nicht verkauft. Das Sharing-System ist free-floating in einem begrenzten Gebiet. Eine Mitgliedergebühr gibt es nicht. Die Gebühren sind CHF 2.- für 10 Minuten. Die Strecke spielt dabei keine Rolle. Die Abrechnung erfolgt per App. Dadurch kann man sich schnell und unkompliziert anmelden.

 

Wie lädt man dieses Fahrzeug?

Das Fahrzeug verfügt über wieder aufladbare, austauschbare Batterien. Diese werden durch Mitarbeiter der ENUU & Partner geladen und ausgetauscht. Dieses System nennt man «Battery Swapping».

 

Wie gross ist denn die Reichweite?

Das Fahrzeug hat eine Reichweite von +/- 40 km, je nach Topographie, Fahrweise und Aussentemperatur.

 

Was wollt Ihr damit erreichen? Was ist euer Ziel?

Der grosse Bedarf nach Individualverkehr soll damit besser befriedigt werden. Hinter dem Konzept steht klar auch der Umweltaspekt, denn nur mit elektrischer Individualmobilität ist es möglich, die Innenstädte von Lärm und schlechter Luft zu befreien. Durch das kompakte Design und das Sharingkonzept wird der Verkehr der Stadt entlastet.

 

Wie sind die aktuellen Erfahrungen in der Pilotphase?

Auf dem EPFL-Campus in Lausanne wurde ein Pilot durchgeführt, welcher sehr positive Rückmeldungen gab. Dabei wurden drei Fahrzeuge zur Verfügung gestellt, die von über 350 Testpersonen gefahren wurden. Dabei haben Studenten, Mitarbeitende, Dozenten – eigentlich alle Personen, der EPFL – die Fahrzeuge getestet.

 

… was hat sich dabei bewährt?

Das gesamte Konzept hat sich bewährt. Es gab sehr viele Fahrten.

 

Wo müsst ihr verbessern?

Nach diesem Pilotversuch war klar, dass «Battery Swapping» eingesetzt werden muss. Auch die Batteriekapazität wurde um 50 % vergrössert.

 

Ist das Fahrzeug wirklich alltagstauglich?

Ja, das Fahrzeug ist absolut alltagstauglich. Am Fahrzeug wurden gegenüber den Ansprüchen im chinesischen Markt einige Anpassungen gemacht.

 

Was sind die nächsten Schritte?

In Biel wird Anfang November 2018 mit 13 Fahrzeugen gestartet. Dabei werden die ersten drei Fahrten pro Tag und Person sogar kostenlos sein. Unter Vorbehalt werden wir dieses Testangebot bis Ende 2018 so belassen.

 

Wo stehen die 13 Fahrzeuge?

Das System ist wirklich «freeFloating». Das bedeutet, dass jedes Fahrzeug innerhalb der Nutzungszone auf jedem Veloparkplatz abgestellt werden kann.

 

Kann ich auch ein Fahrzeug reservieren, wenn ich nach einem Meeting damit wieder zurück an den Bahnhof will?

Ja, man kann ein Standby-booking machen. Das kostet CHF 2.- /30 Min.

 

 

Weitere Informationen

e-mobile.ch,  Energieeffiziente Mobilität (Web)

«Anschluss finden», Elektromobilität und Infrastruktur (Infobroschüre, PDF-Download)

 

Kommentare zum Beitrag

Kann dieses Fahrzeug irgendwann gekauft werden ? vor 2 Wochen

der Preis ? (finde es TOLL)

Einen Kommentar schreiben


Weitere Beiträge