Eine Wasserstoff-Roadmap für Europa bis 2050

Wasserstoff wird als Energieträger immer wieder diskutiert. Insbesondere im Zusammenhang mit einer nachhaltigen Energiewirtschaft, erneuerbarer Energie und als Speichermedium gewinnt er laufend an Bedeutung.

Im Herbst 2018 wurde in Linz von europäischen Vertretern aus Politik und Industrie eine gemeinsame Deklaration für eine europäische Wasserstoff-Initiative unterzeichnet. Die Schweiz war durch das Bundesamt für Energie vertreten. Am 11. Februar 2019 wurde nun die entsprechende Roadmap publiziert. Durch den  Einsatz von Wasserstofftechnologie wollen die Initianten die Dekarbonisierung der europäischen Wirtschaft vorantreiben.

Hydrogen_Roadmap_FCH

1 Including feedstock; 2 Compared to the reference scenario; 3 Excluding indirect effects
 

Europäische Wasserstoff-Roadmap

Seit 2006 existiert im Bereich Wasserstoff und Brennstoffzellen die öffentlich-private Partnerschaft Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking (FCH JU). Sie treibt die Forschung, Technologieentwicklung, Präsentation und Markteinführung in Europa voran. Die FCH JU setzt sich aus der Europäischen Kommission, Vertretern der europäischen Brennstoffzellen- und Wasserstoffindustrie sowie aus Repräsentanten von Forschung und Entwicklung «Hydrogen Europe Research» zusammen. Gemeinsam repräsentieren sie «Hydrogen Europe». Die europäische Wasserstoff-Roadmap «Hydrogen Roadmap Europe: A sustainable pathway for the European energy transition»  wurde in Zusammenarbeit mit «Hydrogen Europe» und 17 führenden europäischen Unternehmen und Verbänden erarbeitet. Diese Roadmap zeigt den Weg für einen gross angelegten Einsatz von Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie bis 2050 in Europa auf und quantifiziert die damit einhergehenden sozio-ökonomischen Auswirkungen.

Wasserstoff_erneuerbares_Energiesystem

Schlüsselelement Wasserstoff

Der Einsatz von Wasserstoff ist gemäss dieser Roadmap ein Schlüsselelement für eine europäische Energiewende und Dekarbonisierung in Bereichen wie dem Gasnetz, der Mobilität (speziell im Schwerverkehr) und der Industrie (Hochtemperaturanwendungen und Chemie). Die zunehmende Stromproduktion aus erneuerbaren Ressourcen führt ausserdem zu einem grossen Bedarf für die saisonale Speicherung sowie den Transport des überschüssigen Stroms. Gemäss den Initianten sei Wasserstoff wohl die einzige Technologie, welche gute Lösungen für diese Herausforderungen bietet.

Potenzial für viele Arbeitsstellen

Eine sozio-ökonomische Analyse zeigt, dass mit einem grossflächigen Einsatz von Wasserstoff in Europa bis 2050 ein jährliches Marktvolumen von bis zu Euro 820 Milliarden möglich sei. Dies sei mit bis 5,4 Millionen Arbeitsstellen verbunden. Ausserdem sollen damit 560 Mio. Tonnen CO2 vermieden werden. Die erarbeiteten Meilensteine von heute bis 2050 legen dar, wie eine Markteinführung von Wasserstoff in verschiedenen Sektoren erfolgen könnte. Dabei spielt ein gesamteuropäisch koordinierter Ansatz, sowohl in der Energiepolitik, als auch seitens der Industrie und Investoren, eine wichtige Rolle.

Wasserstoff_Bedarfseinschätzung_bis_2050

 

Acht Schritte zum Start der Roadmap –  übergreifende Empfehlungen*:

  1. Langfristige, realistische, ganzheitliche und glaubwürdige Wege zur Dekarbonisierung aller Branchen und Segmente festlegen, inkl. Emissionszielen für Fahrzeuge oder Ziele für die Dekarbonisierung von Häusern; nötige Infrastruktur für die Energieerzeugung und Verteilung bereitstellen; verbindliche Termine für die Erschliessung von Investitionen in der Produktentwicklung und für die Infrastruktur festlegen.
     
  2. Europäische Industrie sollte in Wasserstoff und Brennstoffzellentechnologie investieren, um wettbewerbsfähig zu bleiben, sich zu positionieren und um neue Chancen zu nutzen; enge Zusammenarbeit mit den Regulierungsbehörden; Wertschöpfungsketten innerhalb der EU gewährleisten; industrielle Zusammenarbeit mit Akteuren in den sich schnell entwickelnden Wasserstoff- und der  Brennstoffzellenmärkten Asiens (z.B. China, Japan, Korea) entwickeln.
     
  3. Gasnetz entkarbonisieren; verbindliche Ziele fürs Gasnetz festlegen; Instrumente wie «Contracts-for-difference» (CfDs), Einspeisevergütungen (FiTs) oder Investition für extrem kohlenstoffarmen Wasserstoff wie z.B. für Biogas schaffen, resp. ausbauen; Vorschriften modernisieren und harmonisieren.
     
  4. Stromversorgungssystem von den Netzentgelten befreien, um wettbewerbsfähigen Zugang zum erneuerbaren Energiemarkt zu ermöglichen; Mechanismen zur Reduzierung CO2-emittierender Faktoren schaffen und mit umweltfreundlichen Alternativen kombinieren; dezentrales Energieversorgungssystem zur Bewältigung saisonaler Probleme in Europas Gasmarkt entwickeln.
     
  5. Klare und glaubwürdige Roadmap entwickeln; Richtlinien für emissionsfreie Mobilität mit entsprechender Finanzierung und Garantieregelungen erarbeiten, um Investitionen in Betankungsinfrastruktur zu fördern; grössere Wahlmöglichkeiten für die Verbraucher schaffen; in Produktentwicklung auch für LKW, Busse, Lieferwagen und grössere Personenkraftwagen investieren; über traditionelle Branchengrenzen hinaus zusammenarbeiten; Lösungen durch Bündelung von Infrastruktur, Ausrüstung und Wartung; Anreize schaffe, u.a. nicht-monetäre Anreize für FCEV-Fahrer.
     
  6. Übergang zu neuen Wasserstoffverwendungen fördern; Aufbau einer extrem kohlenstoffarmen Wasserstoffproduktion und Versorgungssystem.
     
  7. Elektrolyse ausbauen; Betrieb auf kommerzieller Ebene vorantreiben und beweisen, dass CCS in der Lage ist, Wasserstoff mit sehr geringer Kohlenstoffintensität zu erzeugen; Aktivitäten auf die nächsten 10 Jahre fokussieren; Ziele für kohlenstofffreien Wasserstoff im Gasnetz oder CfDs/FiTs; Anreiz für erforderliche Investitionen für die Zukunft generieren; zentrale Wasserstoffproduktion und Elektrolyse und Bereitstellung dezentraler Lösungen; Stabilität des Netzes angemessen fördern. 
     
  8. Interessengruppen aus Industrie und Regulierung sollten zusätzliche Wasserstoff- und  Brennstoffzellenanwendungen entwickeln; im Schiffsverkehr sollten die Regulierungsbehörden eine Dekarbonisierung einführen; auch Ziele für Häfen, Flüsse und Seen neben jenen internationaler Hochseeschifffahrt einführen; Förderung des Einsatzes von mCHPs und CHPs für Wohn- und Geschäftshäuser verbessern; Energieeffizienz in Gebäuden und bestmögliche Nutzung von Wasserstoff und Erdgas. 

*unverbindlicher, gekürzter Auszug/Übersetzung - Volltext

H2roadmap

 

Hydrogen Roadmap Europe: A sustainable pathway for the European Energy Transition (Report und key note presentation)

Weltweit erste hochseefähige Wasserstoff-Fähre mit Brennstoffzelle (Blogartikel)

Jetzt ist Wasserstoff am Zug (Blogartikel)

Wasserstoff aus Sonnenlicht (bulletin Artikel)

Wasserstoff – Stoff der Zukunft? (bulletin Artikel)

e-mobile.ch, Fachgesellschaft von Electrosuisse bez. energieeffizienter Mobilität (Web)

 

Veranstaltungshinweise

19. März NetzImpuls, Aarau
14. Mai Energien der Zukunft, Dietikon

 

Textquelle: BFE
Grafiken: The Fuel Cells and Hydrogen Joint Undertaking,
Hydrogen Roadmap Europe team
Bilder: FCH JU

 

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