IEC 1906 Award

Am 29. November durften so viele Schweizer Vertreter des CES den renommierten IEC 1906 Award entgegennehmen wie noch nie zuvor. Überhaupt gehören die Schweizer Experten regelmässig zu den international geehrten Spezialisten. Erfahren Sie im Interview mit Jörg Weber, dem Generalsekretär des Schweizer Normengremiums CES, was dahintersteht.

Was ist das IEC und was geschieht dort?

Die IEC (International Electrotechnical Commission) ist die internationale technische Kommission in der Elektrotechnik und ist in Genf beheimatet. Seit 1906 werden dort internationale Normen geschrieben. Sie ist weltweit die älteste Normenorganisation und für die elektrotechnischen Normen zuständig. Für die anderen Normen ist die ISO (International Organization for Standardization) zuständig.

Und was ist der IEC 1906 Award?

Die IEC verleiht jährlich den IEC 1906 Award. Diese Auszeichnung erhalten Experten für ihre hervorragende Arbeit.

Was bedeutet diese Auszeichnung für unsere Branche?

Die Branche bekommt damit eine Art Qualitätsrückmeldung, denn Firmen delegieren ihre Experten in die Gremien. Die Arbeit der Fachleute wird durch diese Auszeichnung gewürdigt. Der IEC 1906 Award ist eine persönliche Wertschätzung für jene, die sich in ihrem Bereich ausserordentlich eingesetzt haben. Es gibt keinen monetären Gegenwert. Es ist vielmehr eine grosse Wertschätzung denjenigen Experten gegenüber, die ihr Wissen im Freiwilligensystem in die mittlerweile enorm wichtigen Normengremien einbringen. Ihre Arbeit dient unserer Gesellschaft und letztlich jeder einzelnen Person.

Wer wird geehrt und weshalb?  

Geehrt werden Experten aus den unterschiedlichsten Arbeitsgruppen. Sie haben sich durch hervorragende Beiträge speziell verdient gemacht. Beispielsweise haben sie eine ganze Norm erarbeitet, bei komplexen Tabellenaufstellungen mitgewirkt, vielleicht sogar ein ganzes Dokument redigiert oder übersetzt oder leisten sonst irgendeinen gewichtigen Beitrag.
 

2018 gab es total 186 Auszeichnungen für 19 Länder weltweit.


2018 konnten wir neun Experten aus der Schweiz auszeichnen. Ich war selbst auch sehr überrascht über die grosse Anzahl, als ich die Mitteilung bekam. Es ist auch fürs CES eine grosse Ehre, unter seinen 900 Experten neun Personen mit diesem Preis zu ehren. Aktuell konnten wir auch eine Frau von der ETH Lausanne auszeichnen. Sie ist im Bereich Wasserturbinen tätig. Als Physikerin arbeitet sie schon seit einigen Jahren im entsprechenden Komitee mit. Auch ihr Beitrag wurde als «auszeichnungswürdig» empfunden.

Wer bestimmt, wer den IEC 1906 Award bekommt?

In den Arbeitsgruppen gibt es Vorgesetzte, sogenannte «Chair» oder «Convenors». Diese erfahren während ihrer Tätigkeit, wie ihre Experten mitarbeiten. Wenn sie bemerken, dass sich jemand ausserordentlich verdient gemacht hat, schlagen sie ihn dem Central Office in Genf vor. Dort wird entschieden, ob jemand diese Würdigung erhalten wird.

Was denken Sie: Werden auch in Zukunft so viele Schweizer Experten ausgezeichnet werden?

Ich bin guten Mutes. Im Verhältnis zur Bevölkerung hat die Schweiz weltweit am meisten Experten in den unterschiedlichen IEC-Kommissionen. Wenn wir dieses Potenzial der Schweizer Qualitätsarbeit weiterhin ausschöpfen, dürfen wir auch in Zukunft auf einige Auszeichnungen hoffen. Vermutlich werden es nicht mehr so viele sein wie im 2018. Es ist tatsächlich eine ausserordentlich hohe Anzahl Ehrungen. Ich denke, dass wir auch künftig wieder mit zwei bis vier Auszeichnungen rechnen dürfen.
 

Die Schweiz steht 2018 mit 9 Auszeichnungen weltweit an 8. Stelle.


Was braucht es, um einen solchen Award zu erhalten?

Es braucht einen essenziellen Beitrag zur Normung. Grundsätzlich sind alle Fachleute eingeladen, in der Normung mitzuarbeiten. Es bedingt natürlich das nötige technische Wissen, Sprachkenntnisse in Englisch – die Amtssprache ist Englisch – und es muss ein diplomatisches Geschick vorhanden sein, um entsprechende Resultate in diesen Gruppen zu erzielen.

Wie viele technische Komitees gibt es?

Weltweit gibt es total über 100 technische Komitees. Dazu gibt es Sub-Comitees. Wenn man die Arbeitsgruppen aus diesen beiden Gremien noch dazu nimmt,  dann sind es über 1100 Gremien, die in einigen der nahezu 10 200 elektrotechnischen Normen mitgearbeitet haben.

Wie viele Experten kommen aus der Schweiz?

330 Experten aus dem Pool der über 900 CES-Fachleute kommen aus der Schweiz. Sie arbeiten in europäischen, aber auch weltweit in allen möglichen IEC-Gremien mit.

Was kommt nach dem IEC 1906 Award? Gibt es eine Steigerung?

Die IEC kennt noch zwei weitere Stufen: Dies ist einerseits der Lord Kelvin Award als höchste Auszeichnung und andererseits der Edison Award. Auch beim Edison Award wird aufgrund von Vorschlägen aus den technischen Komitees verliehen. Die Genehmigung erfolgt durch das SMB (Standard Management Board), das das Entscheidungsgremium bildet. Den Edison Award erhalten drei bis vier Personen jährlich.

Wenn ein Experte durch einen noch höheren Verdienst für die Normung hervorsticht, dann kann er sogar den Lord Kelvin Award bekommen. Lord Kelvin war 1906 der Gründer der IEC. Diese Ehrung wird durch den Vorstand der IEC, dem weltweiten Council Board, gewählt und wird ebenfalls an der Generalversammlung verliehen. Der Lord Kelvin Award wird weltweit nur einmal jährlich verliehen.

Empänger 2018 des IEC 1906 Award pro Land

Japan 31
USA 30
Deutschland 27
UK 17
China 15
Frankreich 13
Korea 13
Schweiz 9
Kanada 8
Niederlande 5
Australien 4
Dänemark 4
Schweden 3
Spanien 2
Österreich 1
Finnland 1
Italien 1
Neuseeland 1
Norwegen 1

 

 

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Fotos: Electrosuisse

 

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