Mehr mit weniger und sieben Golden-Gate-Brücken aus e-Schrott

Die Anzahl der Elektro- und Elektronikgeräte in der Schweiz haben in den letzten 15 Jahren insgesamt um fast 40 % zugenommen. Dennoch reduzierte sich deren Stromverbrauch innerhalb der selben Zeit um 716 Mio. kWh. Wie eine Analyse über die verkauften Elektrogeräte des BFE zeigt, sind die Geräte dank Technologiesprüngen wesentlich effizienter geworden. Gleichzeitig sind wir Schweizer aber auch ein emsig Volk von «e-Recyclern», denn auch Elektroschrott ist wertvoll.

Über neue und alte Elektro- und Elektronikgeräte gibt es viele interessante Zahlen. Dies zeigen einerseits die aktuelle BFE-Analyse über neue Geräte und andererseits die Erkenntnisse der Stiftung Sens mit ihrer eRecycling-Aufklärung. 2017 waren beispielsweise rund 30 Millionen IT-, Büro- und Unterhaltungselektronik-Geräte im Einsatz. Dies entspricht einer Zunahme von 10 Millionen Geräte gegenüber der Jahrtausendwende – und das alleine in der Schweiz. Die grösste Zunahme gab es bei den Notebooks (4,3 Mio. Stück), gefolgt von den Tablets (4 Mio. Stück). Erfreulich an dieser Entwicklung ist jedoch, dass der Stromverbrauch gegenüber 2002 um über neun Prozent deutlich sank. Bei den IT-, Büro- und Unterhaltungselektronik-Geräten betragen die Effizienzgewinne satte 51,4 % seit dem Jahr 2000 und fallen gegenüber den Haushaltgeräten mehr als doppelt so hoch aus (24 % seit dem Jahr 2002).

Bei den Haushalt-Grossgeräten fallen insbesondere die Zunahme von Wäschetrocknern (+88,1 %) und Tiefkühlschränken (+79 %) gegenüber 2002 auf. Über alle Gerätekategorien ergibt sich eine Bestandszunahme von 31,8 % bei einem gesamthaften Anstieg des Energieverbrauchs von gerade einmal 2,3 %. Zu den grössten Stromverbrauchern bei den Haushalt-Grossgeräten gehörenEnergy_Star_logo.svg Elektroherde, Backöfen, Kühlgeräte und Wäschetrockner. Die technologischen Fortschritte und Förderprogramme für energieeffiziente Geräte wie z.B. das Label Energy Star sowie Mindestanforderungen bezüglich der Stand-by-Funktionen zeigen eindeutig Erfolge. Dabei sind noch nicht alle Energiespar-Möglichkeiten ausgeschöpft, wie z.B. dem sinnvollen Einsatz von Stand-by-Funktion. Mit vollständig ausgeschalteten Geräten, die nicht unbedingt im Stand-by-Modus verfügbar sein müssen, lässt sich viel Energie und Geld sparen.

Stand-by gut, alles gut?

Stand-by bedeutet, dass sich das entsprechende Gerät im Schlummermodus befindet. Dabei ist es aber nicht vollständig ausgeschaltet. Je nach Alter und Typ des Geräts ist der Stromverbrauch im Stand-by-Modus mehr oder weniger hoch. Machen Sie den Stand-by-Check auf www.energybox.ch und erfahren Sie, wie viel Energie Ihre elektronischen Geräte im Stand-by-Modus verbrauchen. Mittels einer Steckerleiste lassen sich ganze Gerätegruppen, die nicht innert kürzester Zeit wieder einsatzbereit sein müssen, mit einem Klick gleichzeitig ausschalten.

Sieben Golden Gate Brücken aus recycliertem Eisen und Stahl

Gemäss Aussagen der Stiftung Sens sind 85 % eines Elektrogeräts wieder verwertbar. Druchschnittlich werden jährlich 51 000 t Eisen, 2500 t Kupfer und 1800 t Aluminium sowie Zink und Messing aus eSchrott gewonnen. In den letzten 25 Jahren wurden 17 000 t Aluminium, 530 000 t Eisen und Stahl, was sieben Golden Gate Brücken entspricht, sowie 103 kg Gold zurück gewonnen. Durch Reciclyng muss die Schweiz weniger Rohstoffe importieren, woraus ein weiterer positver Effekt in der Einsparung von CO2 aus eingesparten Transportkosten resultiert. In 600 Sammelstellen werden 95 % aller Elektro- und Elektronikgeräte gesammelt und anschliessend zu einem Grossteil in der Schweiz weiterverarbeitet.

Mythen ums Recycling

In der Schweiz werden jährlich 16 kg eSchrott pro Person gesammelt. Grundsätzlich sind die Recyclinggebühren von Elektro- und Elektronikgeräten beim Kauf im Schweizer Fachhandel im Kaufpreis inbegriffen. Zunehmend werden jedoch Käufe solcher Geräte im Ausland oder übers Internet getätigt. Die Entsorgungsgebühren sind in diesen Kaufpreisen jedoch meistens nicht enthalten. In den Geräten gibt es auch Aggregate und Batterien, die Giftstoffe enthalten und fachgerecht entsorgt werden müssen, damit sie nicht in die Umwelt gelangen. Bei Auslandkäufen spielt die Grundidee der vorgezogenen Recyclinggebühr nicht mehr, da sie auf der Solidarität aller Kunden aufbaut. Auf diese Weise entstehen ca. CHF 4 Mio. Verlust, da die vorgezogene Recyclinggebühr nicht entrichtet wurde. Das Schweizer Parlament hat Ende September 2018 eine Motion angenommen, das bestehende System zu optimieren. Aktuell wird nun erwartet, dass das UVEK alle Akteure einlädt, um gemeinsam Systemoptimierungen zu erarbeiten.

 

Verkaufszahlenbasierte Energieeffizienzanalyse von Elektrogeräten 2018 (Webseite BFE)

Faktenblatt Stromverbrauch Elektrogeräte 2017 (Webseite BFE)

E-Waste (Website)

Recycling Karte

bafu Abfallwegweiser elektrische und elektronische Geräte

Stiftung Sens (Webseite)

«Entspannt – dank Effizienz: Der bewusste Umgang mit Elektrizität»  (Electrosuisse, Info-Broschüre)

«LEDs go!» Tipps und Hinweise zu LED-Beleuchtungen (Electrosuisse, Info-Broschüre)

 

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