Multitalent und Selbstmanager

Die Elektrobranche ist eine sich schnell wandelnde Branche. Die rasanten Entwicklungen von Technologien und Material sind nicht aufzuhalten. In den letzten Jahren war es unter anderem so, dass sich die Internetbandbreite nahezu jährlich verdoppelte. Die Technik bringt neben vielen komfortablen Neuheiten aber auch mindestens ebenso viele Herausforderungen mit sich.

Schön war noch die Zeit, als beispielsweise eine Lichtschaltung im Korridor mit einer Schaltung Schema 6 realisiert wurde. Vor 15 Jahren war die Montage dieser Schema-6-Schaltung noch das Highlight für jeden Lernenden. Wenn er einen solchen Anschluss korrekt erstellen konnte, galt er als versiert und «guter Elektriker». Heute sucht man diese altehrwürdige Schaltung vergebens. Sie wurde durch Schrittschalter, Lichtsteuerungen und elektronische Lösungen ersetzt. Dies sind allesamt Lösungen, die einfacher, schneller und günstiger zu installieren sind. Der Effekt daraus ist jedoch folgender: Junge Fachkräfte erlernen die neue Technik – das ist auch gut so –, aber wer pflegt die alte, robuste Technik?

Multitalent Elekrofachkraft

Der fachliche Anspruch an die Elektrofachkraft ist heute enorm. Gleichermassen sollte eine Berufsperson im Elektrobereich heute innovativ, modern, aber auch technisch/historisch gebildet sein. Die Anforderungen steigen zunehmend. Gleichzeitig wird der wirtschaftliche Druck grösser und man wird immer erreichbarer. Dies sind alles Faktoren, die den Druck und somit auch den persönlichen Stresslevel erhöhen.

«Gehen Sie mit der Zeit,
sonst gehen Sie mit der Zeit.»

Die Technik entwickelt sich unaufhaltsam und in rasantem Tempo – doch entwickelt sich der Mensch gleichermassen? Wird sich die Investition in Fachkräfte weiterhin für die Wirtschaft lohnen? Neutral betrachtet kann nur ein «Ja» die Antwort auf diese Frage sein, denn das neue, technologische Zeitalter benötigt fähiges Fachpersonal. Es wird immer Anforderungen und Prozesse geben, die nur der Mensch erfüllen kann. Diese Fachleute müssen nebst fachlichen Skills aber auch persönliche Fähigkeiten und Sozialkompetenz besitzen. Und genau diese persönlichen Fähigkeiten werden es ausmachen, dem steigenden Druck und immer schneller werdenden Umständen entgegenzuwirken. Stress ist eine Volkskrankheit, die alle betrifft, und man kann lernen, damit umzugehen und ihn in vernünftigen Grenzen zu halten.

«Die reinste Form des Wahnsinns ist es,
alles beim Alten zu belassen und zu hoffen,
dass sich etwas verändert.»

Albert Einstein.

Heute ist jeder Techniker auch noch Organisator, Backoffice-Mitarbeiter, IT-Superuser, Troubleshooter, Chauffeur, First-Level-Supporter, Werkzeugverantwortlicher und Manager. Die Liste könnte beliebig erweitert werden. Die Herausforderung besteht darin, all diese «Nebenberufe» in die eigentliche Aufgabe zu integrieren. Deshalb wird eine reine Fokussierung der Ausbildung auf das Handwerk oder Fach alleine in Zukunft immer weniger ausreichen. Jede Fachperson wird in gewisser Weise zum Selbstmanager, egal auf welcher Stufe. Bei alledem darf man jedoch nicht Sklave der selbst gemachten Umstände werden, denn schliesslich muss die Technik dem Menschen dienen und nicht umgekehrt! Es erscheint daher klar, dass eine gute Fachkraft heute kein «reiner Techniker» mehr ist. Die «gute Fachkraft» ist schon heute in der Lage – oder ist auf dem Weg dahin –, sich selbst zu führen und zu managen. Sie hat Sozialkompetenz und kann stufen- und kundengerecht kommunizieren. Die fachliche Ausbildung ist auch in Zukunft das unverzichtbare Fundament, doch neue Fähigkeiten, Arbeitsmodelle und die Kooperation mit anderen Gewerken werden einiges an Flexibilität fordern.
 

Lohnradar, Webseite

Beratung und Inspektion, Webseite


Text: Michael Knabe

 

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