Auf dem Weg zur Smart-City

In Zusammenarbeit mit Vertretern kleiner und mittlerer Städte, des Programms Smart-City Schweiz, des Bundesamtes für Energie und mit wissenschaftlicher Unterstützung des Competence Center for Research in Energy, Society and Transition – CREST, wurde der Leitfaden «Smart-City» erarbeitet.

Ein Team der ZHAW hat im Auftrag des BFE-Programms EnergieSchweiz die Erfahrungen der Pionierstädte Winterthur, Pully und Zug und ihrer eigenen Forschung in einem Leitfaden zusammengefasst. Entstanden ist eine Blaupause für die Entwicklung von Smart-Cities. Die Entstehung einer Smart-City wird in drei Phasen dargestellt. Der Leitfaden zeigt auf, wie die Initiative mit Projekten gefördert werden kann, wie eine ganzheitliche Strategie entsteht und diese dauerhaft etabliert werden kann. Ferner werden Methoden aufgezeigt, die sich in den jeweiligen Phasen bewährt haben und welche Herausforderungen zu erwarten, bzw. zu beachten sind.

Von A – Z

Die Themen reichen von der Initiierung von Pilotprojekten, über Finanzierungsmöglichkeiten, Wege zur Bürgerpartizipation, der Reorganisation von Verwaltungsstrukturen bis zur Öffentlichkeitsarbeit. Ein Kompendium mit Beispielen und Literaturhinweisen unterstützt das Unterfangen. Zur Vertiefung ausgewählter Themen und Methoden betreibt das Team eine Website. Darin werden Fallbeispiele, Werkzeuge, Beschriebe, Steckbriefe von Smart-City Use Cases sowie Informationen über Anbieter und zu Links hilfreicher Webseiten aufgeführt.

Dieses Dokument soll als Diskussionsgrundlage und Hilfestellung für Städteverantwortliche dienen, welche ein individuelles Verständnis von Smart-City entwickeln und umsetzen möchten.

Smart-City – wieso überhaupt?

Auszug aus der Publikation: Aktuelle Herausforderungen wie die Digitalisierung der Verwaltung, Veränderung der Städte durch Urbanisierung, Klimawandel und den Umbau der Infrastruktursysteme im Energie- und Mobilitätsbereich erfordern ein Überdenken der bisherigen Stadtentwicklungsansätze. Das Smart-City-Konzept ermöglicht es, diese Herausforderungen im Sinne eines ganzheitlichen Entwicklungsansatzes ressortübergreifend, mit Partnern vernetzt und mit Unterstützung von digitalen Technologien anzugehen. Im Schweizer Verständnis geht das Smart-City-Konzept weit über verwaltungsinterne E-Government- und Digitalisierungsstrategien hinaus. Das übergeordnete Ziel ist, effiziente und ressourcenschonende Lösungen zu entwickeln und gleichzeitig die Lebensqualität und die Standortattraktivität zu steigern. Insgesamt soll ein innovatives urbanes Umfeld entstehen, das die Einwohner und die Wirtschaft einbezieht und neue Gestaltungsmöglichkeiten zulässt.

Für die Mehrheit der kleineren und mittleren Städte und Gemeinden in der Schweiz gestaltet sich der Einstieg in das Smart-City-Thema als anspruchsvoll. Während in Pionierstädten in den letzten Jahren schon erste Erfahrungen in der Umsetzung von Smart Cities gesammelt wurden, brauchen Verantwortliche kleinerer und mittlerer Städte für den Einstieg eine adäquate Unterstützung. Um diesem Bedürfnis zu entsprechen, wurde im Auftrag des Bundesamts für Energie (BFE) und von EnergieSchweiz ein Leitfaden in Zusammenarbeit mit einer Begleitgruppe erstellt. Im Leitfaden werden verschiedene Handlungsschritte, Instrumente, Varianten und Praxisbeispiele für die Umsetzung von Smart-Cities vorgestellt, aus denen interessierte Städte entsprechend ihren Bedürfnissen auswählen können. Der Leitfaden fasst daher nicht nur die Literatur und die Erfahrungen aus Pionierstädten zusammen, sondern befähigt die involvierten Parteien von Städten und Gemeinden, ein eigenes Verständnis und entsprechende Massnahmen zur Umsetzung ihrer Smart-City zu entwickeln.

Drei Phasen

Die drei Entwicklungsphasen unterscheiden sich auch in den Managementkompetenzen, die im Smart-City-Prozess gefragt sind. Während zu Beginn vor allem Projektmanagement und Kompetenzen in der Organisationsentwicklung wichtig sind, sollten langfristig auch Kompetenzen im Management eines Transformationsprozesses aufgebaut werden, um den Smart-City-Ansatz erfolgreich zu etablieren.

Aus den städtischen Herausforderungen und den neuen technologischen Möglichkeiten ergeben sich die folgenden typischen Handlungsfelder einer Smart-City, welche im Smart-City-Wheel von Boyd Cohen (erweitert durch BFE (2018) abgebildet sind:

bfe-smart-city-wheel

Wozu einen Smart-City-Leitfaden?

Das Ziel dieses Leitfadens ist, Städte- und Gemeindeverantwortlichen ein Werkzeug zur Verfügung zu stellen, das ihnen einen schnellen Einstieg in die verschiedenen Phasen des Smart-City-Prozesses ermöglicht. Er verschafft einen Überblick über Schritte, Methoden, Strategien und Varianten. Der Transformationsprozess ist mittels einer umfassenden Material- und Beispielsammlung illustriert. Der Leitfaden richtet sich dabei an folgende Zielgruppen:

  • Politiker, die einen Einstieg in das Thema Smart-City finden möchten
  • Städtische Verwaltungen, die Smart-City-Projekte umsetzen möchten oder einen politischen Auftrag zur Ausarbeitung einer Smart-City-Strategie erhalten haben
  • Städtische Unternehmen und Institutionen, z.B. Stadtwerke, Unternehmen des öffentlichen Verkehrs oder Altersheime, welche die Digitalisierung umsetzen möchten
  • Beratungsbüros und
  • die breite interessierte Öffentlichkeit, die den Smart-City-Prozess gestalten und verstehen möchten

Das Smart-City-Konzept

Für Smart-Cities existieren bereits zahlreiche Definitionen. Dabei sind sich viele grundsätzlich ähnlich, fokussieren sich aber auf unterschiedliche Bereiche. Jede Stadt muss ihr eigenes Verständnis entwickeln und ihre eigenen Smart-City-Fokusbereiche definieren. Aus diesem Grund wird in diesem Leitfaden auf eine abschliessende Definition verzichtet und vielmehr der Prozess und die Denkweise im Zusammenhang mit der Entwicklung einer Smart-City in den Vordergrund gestellt. In einer Smart-City

  • werden alle Stakeholder in den Entwicklungsprozess eingebunden, um Lösungen zu schaffen, die echte Bedürfnisse befriedigen, bzw. von allen getragen werden
  • wird die themen- und ressortübergreifende Zusammenarbeit gefördert, um Prozesse und Dienstleistungen neu zu denken. Es werden etablierte Departements- oder Direktionsstrukturen (sogenannte Verwaltungssilos) aufgebrochen, um möglichst integrierte und synergetische Lösungen zu entwickeln
  • werden digitale Technologien zweckmässig zur Erfüllung städtischer Aufgaben und Anliegen aus der Bevölkerung eingesetzt
  • werden Innovationen durch die Zusammenarbeit mit externen Partnern und durch eine offene Fehlerkultur gefördert

 

BFE_Smart_Energy_and_EnvironmentSmart Energy and Environment: ressourcen- und umweltschonende Entwicklung der städtischen Umgebung (Gebäude, öffentliche Räume, Infrastruktursysteme), Förderung erneuerbarer Energien und Nutzung von Synergiepotenzialen

 

BFE_Smart_EconomySmart Economy: Aufbau eines innovativen, ressourcenschonenden und offenen Wirtschaftssystems, welches auf Vernetzung, Kooperation, Kreislaufwirtschaft und flexible Arbeitsmodelle setzt

 

BFE_Smart_LivingSmart Living: Gewährleistung eines barrierefreien, gemeinschaftlichen, sicheren und gesunden Lebens, das auf Chancengleichheit aufbaut
Smart Mobility: Schaffung einer sauberen Mobilität und Logistik, Förderung von effizienten Transportmitteln, Intermodalität und Sharing-Konzepten

 

BFE_Smart_MobilitySmart Mobility: Schaffung einer sauberen Mobilität und Logistik, Förderung von effizienten Transportmitteln, Intermodalität und Sharing-Konzepten


 

BFE_Smart_People Smart People: Nutzung und Förderung von Ressourcen der Einwohner sowie Gewährleistung von «lebenslangem Lernen», Partizipation, gesellschaftlicher Integration und Offenheit gegenüber Kreativität 



BFE_Smart_GovernmentSmart Government: intelligente, bedürfnisorientierte und transparente Steuerung der städtischen Verwaltungsprozesse und der Infrastruktur

 

 

 

Smart-City, Leitfaden zur Umsetzung von Smart-City-Initiativen in der Schweiz (Leitfaden, BFE)

Smart-City Leitfaden (Web-Hauptseite, ZHAW/energieSchweiz)

Energie sinnvoll nutzen (Web, Electrosuisse)

Energie- und Ressourceneffizienz (Infografik, Electrosuisse)

Offene, urbane Plattformen, Ein skalierbarer Einstieg in Smart City (Artikel, bulletin.ch)

Bieler Busse fahren bald mit Strom vom Schiff, Schwimmendes Kraftwerk (Artikel, bulletin.ch)

«Energie – sonnenklar», Photovoltaik: Technik und Infrastruktur (Info-Broschüre, PDF)

e'mobile, Fachgesellschaft für energieeffiziente Mobilität von Electrosuisse (Web)

 

Veranstaltungshinweise


Wichtiger Hinweis
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Quelle Bilder+Text: BFE, Leitfaden

 

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