Disco am Himmel

Blitze sind sowohl faszinierende wie auch etwas unheimliche Phänomene. Seit jeher beeindrucken sie den Menschen mit ihren bizarren Erscheinungsformen. Befindet man sich jedoch zur falschen Zeit am falschen Ort, dann können sie lebensbedrohlich werden. Immer wieder werden die Auswirkungen von Blitzen unterschätzt oder Unwetterwarnungen zu wenig ernst genommen. Nichts destotrotz eröffnet die Blitzforschung interessante Tatsachen.

Quelle: MéteoSchweiz-Blog

Mittlere Blitzhäufigkeit in der Schweiz

Wenn man die verschiedenen Regionen grosszügig mittelt, erhält man über die ganze Schweiz etwa 1,5 Blitzeinschläge pro Jahr und Quadratkilometer. Für die ganze Fläche der Schweiz bedeutet das im langjährigen Durchschnitt rund 60 000 bis 80 000 Blitzeinschläge pro Jahr, wobei hier nur die Hauptblitze ohne Nebenblitze berücksichtigt sind. Oft kann man noch 1 bis 2 Nebenblitze beobachten, wodurch dann die Zahl entsprechend höher liegt; vielleicht bei rund 150 000 Blitzeinschlägen pro Jahr. Eine grobe unsichere Schätzung zur Gesamtzahl der Blitze pro Jahr über der Schweiz, Einschläge plus Wolken-Wolken-Blitze, dürfte etwa beim 2- bis 3-fachen der genannten Blitzeinschläge liegen.

BBlog_Blitze_Blitzkarte_Schweiz_Übersicht

Daten zu Blitzeinschlägen sind bei MeteoSchweiz seit dem Jahr 2000 verfügbar. Anzahl Blitzeinschläge pro Jahr und Quadratkilometer in der Periode 2000 bis 2016.

Jährlicher Verlauf der globalen Blitzklimatologie

In den Tropen sowie in den angrenzenden Subtropen blitzt es am häufigsten. Auffallend ist, dass auf dem Land deutlich mehr Blitze registriert werden, als über dem Meer. Dies hat seinen Grund in den unterschiedlichen Strahlungsverhältnissen der Landmassen und Ozeane. Da sich das Land in der warmen Jahreszeit stärker erwärmt als die Meere, sind die konvektiven Prozesse, welche schlussendlich zu Gewitter führen, dort deutlich ausgeprägter. Dieser Effekt zeigt sich auch in der deutlich höheren Blitzrate auf der nördlichen Hemisphäre. Hier befinden sich grössere Landmassen als in der südlichen Hemisphäre. Am meisten blitzt es im globalen Durchschnitt am Nachmittag zwischen 12:00 und 18:00 Uhr. Dabei werden in der nördlichen Hemisphäre zwischen Juni und August und in der südlichen Hemisphäre zwischen Dezember und Februar am meisten Blitze registriert.

In Europa treten Gewitter tatsächlich deutlich weniger häufig auf als in den Subtropen. Dies bedeutet jedoch nicht, dass diese weniger heftig ausfallen. Gerade in den gemässigten Breiten kommt es während des Sommers zu heftigen Gewittern mit Sturm, Hagel und Überschwemmungen. Die blitzreichste Region Europas liegt nahe der Schweizer Grenze über Norditalien am Comersee.

Die Gewitter-Hotspots der Erde

Die blitzreichsten Regionen befinden sich zwischen dem Äquator und dem 38. südlichen und nördlichen Breitengrad. Während der TRMM Satelliten-Mission wurden diese Gebiete über einen Zeitraum von 17 Jahren vom sogenannten LIS-Gerät (Lightning Imaging Sensor) auf die Blitzraten vermessen. Eine neuere Untersuchung mit hochaufgelösten Blitzdaten, identifiziert Afrika als den blitzreichsten Kontinenten. Allerdings stellte sich heraus, dass sich das blitzreichste Gebiet nicht wie lange angenommen über dem östlichen Kongobecken in Afrika, sondern über dem Maracaibo-See in Venezuela befindet.

BBlog_Blitze_Blitzkarte_Welt_Übersicht

Übersichtskarte der durchschnittlichen jährlichen Blitzraten pro km2 (0.5° Auflösung / ODT und LIS-Daten / satellitengestützte, optische Erfassung 1995-2010 Quelle: https://lightning.nsstc.nasa.gov/data/data_lis-otd-climatology.html)

Die fünf blitzreichsten Gebiete pro Kontinent und weitere auffällige Regionen

Südamerika

In Südamerika befinden sich die Top fünf Hotspots in Kolumbien und Venezuela. Am häufigsten blitzt es am Maracaibo-See. Mit 233 Blitzen km2/Jahr liegt somit das blitzreichste Gebiet der Welt in Venezuela.

Die Nächte am Maracaibo-See in Venezuela, dem grössten Binnenmeer Südamerikas, bieten ein einzigartiges Naturschauspiel: An bis zu 260 Nächten im Jahr erleuchten Blitzgewitter die tropische Dunkelheit, vor allem dort, wo der Catatumbo-Fluss in den See mündet. Bis zu 60 Blitze pro Minute, oder insgesamt rund 1 176 000 Blitze pro Jahr – Ein Rekord der es auch in das Guiness-Buch der Rekorde schaffte! Nachts blitzt es so häufig, dass diese Gegend während der Kolonialzeit von Seeleuten aus der Karibik als Leuchtturm genutzt wurde. Das Phänomen (spanisch: Relampago del Catatumbo) bleibt bis heute sagenumwoben, so finden sich noch immer abenteuerliche Theorien, wieso es in der Gegend so häufig gewittert. Der Grund ist jedoch relativ einfach zu begründen:

Der Maracaibo-See liegt zwischen den Ausläufern zweier Andenketten. Er verdunstet dort tagsüber durch seine im Durchschnitt 30° C hohe Wassertemperatur grosse Mengen an Wasser. Zudem sorgt das nördlich gelegene karibische Meer für einen extra Feuchteinput. Nachts kühlt die Luft über den benachbarten, hochgelegenen Anden rasch ab. Damit entstehen von den beiden, westlich und südlich gelegenen Andenketten Bergwinde, welche sich über dem warmen See treffen. Diese ausgeprägte Windkonvergenz ist, nebst einer ausgeprägten feuchtlabilen Luftschichtung, ein zusätzlichen Hebungs-Trigger. So bilden sich im Laufe des Abends und in der Nacht über dem See und in der Umgebung regelmässig extrem hochreichende Gewitterzellen.

Die weiteren Hotspots Südamerikas sind alle in Kolumbien zu finden. Die Blitzraten dieser, überwiegend an den Ausläufern der nördlichen Andenketten gelegenen Gebieten sind im globalen Vergleich ebenfalls sehr hoch und werden nur von den Hotspots im Kongo und einzelnen Regionen Pakistans und Indiens übertroffen. Viele der kolumbianischen Gewitterregionen weisen die höchste Blitzaktivität während den Nachtstunden auf. Was mit dem Hintergrund der topographischen Lage ebenfalls für stationäre Konvergenzen (Umkehrthermik) spricht.

Afrika

In der Demokratischen Republik Kongo befinden sich gleich acht der zehn blitzreichsten Gebiete Afrikas. Mit einer Jährlichen Blitzrate von 205 Blitzen/km2 weist die Gemeinde Kabare eine ähnlich hohe Intensität auf, wie der Maracaibo-See in Venezuela und belegt somit weltweit den zweiten Platz. Flächenmässig und über das Jahr verteilt ist die Demokratische Republik Kongo das gewitterreichste Land der Erde. In Kamerun liegt mit Nguti das viert blitzreichste Gebiet Afrikas, weltweit belegt es den achten Platz. Gewitterstürme gibt es in West- und Zentralafrika das ganze Jahr über. Diese Regionen sind jedoch zwischen September und Mai am aktivsten.

Nordamerika

Auf dem Nordamerikanischen Kontinent befinden sich die blitzreichsten Gebiete in Mittelamerika. Nummer 1 und 2 befinden sich in Guatemala. Auch hier liegen die zwei blitzreichsten Gebiete am Fusse einer Bergkette, der Sierra Madre.  Besonders in Patulul in der Nähe des touristisch interessanten Lago de Atitlan gelegen, kommt es während den Sommermonaten zu vielen Gewittern. Diese Hotspots weisen nachmittags einen Höhepunkt der Blitzaktivität auf. Das gewitterreichste Gebiet der USA liegt in Orangetree Florida, dort blitzt es im Juli am häufigsten.

Asien

Gleich drei der blitzreichsten Gebiete in Asien liegen in Pakistan. Besonders in Daggar, an den Ausläufern des Hindukusch Gebirges gelegen, kommt es im Juli und August zu heftigen Gewittern mit einer grossen Blitzintensität. Während des Augusts wurden hier weltweit die höchsten monatlichen Blitzraten gemessen und übersteigen sogar die höchsten Monatssummen des Kongos. Auch im äussersten Westen des indischen Bundesstaats Jammu und Kashmir, in Rajauri kommt es während des Monsuns zu sehr heftigen Unwettern mit Tornados, Grosshagel und Überschwemmungen. Diese Gebiete liegen am Fusse des Himalayas und weisen während den Monsun-Monaten zwischen Mai und Oktober, besonders aber im August und September, die höchste Blitzaktivität auf. Die Intensivsten Gewitter findet man auch hier an den Ausläufern der Gebirgsketten. Warmfeuchte Luft des Südwest-Monsuns aus der Arabischen See trifft in diesen Gebieten auf die trockenkühle Luft des Tibetischen Plateaus.

Interessant ist auch die Blitzklimatologie von Kuala Lumpur, der Hauptstadt Malaysias. Sie liegt zwar «nur» auf Platz 10 der asiatischen Hotspots, ist damit aber die blitzreichste Hauptstadt der Welt. Global betrachtet belegt Kuala Lumpur den 52. Platz der 500 blitzreichsten Gemeinden der Erde.

Australien

Auch hier befinden sich vier der fünf blitzreichsten Gebiete in der gleichen Gegend, an der nördlichen Küste Australiens. Die blitzreichste Region Australiens schafft es auf der globalen Rangliste gerademal auf Platz 61. Das fünfte Gebiet befindet sich in Papa Neu Guinea. Die höchste Blitzrate in beiden Ländern entsteht insbesondere aufgrund von Land- und Meerwind-Konvergenzen am Nachmittag, vor allem während des Sommermonsuns.

Fazit

Durch die satellitengestützten klimatologischen Auswertungen der globalen Blitzverteilung wurden ältere Beobachtungen, die eine höhere Blitzaktivität über Land als über dem Meer besonders in den Bergregionen des Himalayas, der Anden, der Sierra Madre und den Mitumba Bergen in Afrika vermuteten, bestätigt.

Die maximale Blitzdichte wurde meistens in den Sommermonaten, in vielen Gebieten rund um die Monsunzeit registriert. Schlussendlich wurde der Maracaibo-See als blitzreichstes Gebiet des Planeten identifiziert.

Falls sie sich also je in einem dieser blitzreichen Gebiete aufhalten, sollten sie nebst den meist unwirtlichen Bedingungen, stets auch das lokale Wetter im Auge behalten und die Wetterprognosen konsultieren. So faszinierend Gewitter auch sind, so gefährlich sind sie es auch.

Blitze – So können Sie sich schützen, handliche A6-Ratgeber-Broschüre für unterwegs oder kostenloser Download

Effektiver Blitzschutz, eine Präventivinvestition die sich lohnt, präventive Massnahmen für Bauten, Risikoanalyse

Blitzschutz bei Veranstaltungen und Versammlungen, Merkblatt des vde

 

Kommentare zum Beitrag

Noch keine Kommentare zu diesem Beitrag vorhanden.

Einen Kommentar schreiben


Weitere Beiträge