Deutlich weniger Blitze als im letzten Sommer

Vom 1. Juni bis 31. August 2020 hat der Blitz-Informationsdienst von Siemens in der Schweiz insgesamt 46’647 Blitzeinschläge registriert. Im letzten Sommer waren es in dieser Zeit rund 85’000. Mit 14,37 Einschlägen pro km² lag die grösste Blitzdichte in der Gemeinde Paudex bei Lausanne. In der Deutschschweiz wurde der höchste Wert in der Ortschaft Lutzenberg/AR mit 13,21 Blitzen pro km² gemessen.

Der Blitz-Informationsdienst von Siemens (BLIDS) registriert die Daten von sogenannten Erdblitzen. Das sind Blitze, die den Boden erreichen und somit für Mensch, Tier und Infrastrukturanlagen gefährlich sind. In der Schweiz nutzen rund hundert Kunden diesen Dienst, unter anderem Versicherungen, Industriebetriebe und Feuerwehren, aber auch Privatpersonen. Schweizweit schlugen diesen Sommer 46 647 Blitze ein, in der Vorjahresperiode waren es mit rund 85 000 fast doppelt so viele Einschläge. Am meisten Blitze wurden dabei in der Gemeinde Paudex/VD gemessen: 14,37 Blitze pro km². Aufgeteilt nach Landesregionen verzeichneten die folgenden Ortschaften die meisten Einschläge:

  • Nordwestschweiz: Buchs/AG, 5,55 Blitze pro km²
  • Ostschweiz: Lutzenberg/AR, 13,21 Blitze pro km²
  • Südschweiz: Gordola, 7,44 Blitze pro km²
  • Westschweiz: Paudex, 14,37 Blitze pro km²
  • Zentralschweiz: Seedorf/UR, 5,60 Blitze pro km²
  • Zürich: Dinhard, 5,90 Blitze pro km²

blitzdichte

Das System nutzt zur Erfassung rund 160 verbundene Messstationen in Europa. Die Fachleute von Siemens betreuen neben der BLIDS-Infrastruktur in der Schweiz auch das Messnetz in Deutschland, Grossbritannien, den Benelux-Staaten, Tschechien, Slowakei und Ungarn.

Ermittlung auf 100 Meter genau

Die hohe Genauigkeit des Systems basiert auf dem Time-of-Arrival (TOA)-Prinzip. Aus der Differenz der in den Empfängern registrierten Zeiten wird der Blitzort berechnet. Dank der rasant gestiegenen Rechen- und Speicherkapazitäten gelingt eine immer schnellere und präzisere Datenübertragung. «Während es früher bis zu 30 Sekunden gedauert hat, bis Informationen zu einem Blitzeinschlag im System abrufbar waren, dauert es heute nur noch zehn», erklärt Stephan Thern, Leiter des Blitz-Informationsdiensts bei Siemens. «Heute können wir rund die Hälfte der Blitze auf weniger als 100 Meter genau bestimmen.» Die Informationen können zum Beispiel für Betreiber von Hochspannungsleitungen relevant sein. So lässt sich, wenn eine Leitung ausfällt, schnell klären, ob ein Blitz oder ein umgestürzter Baum für den Stromausfall verantwortlich ist. «Falls wir den Blitzeinschlag bestätigen, kann die Leitung viel schneller wieder ans Netz genommen werden.» Um Kunden die Blitzdaten auf ihren PCs und Mobilgeräten verfügbar zu machen, stellt der Blitz-Dienst auch cloudbasierte Anwendungen bereit.

So funktioniert das System

Ein Blitz sendet ein elektromagnetisches Signal, respektive elektromagnetische Wellen aus. Diese Informationen werden mit Antennen registriert und in der Zentrale von Siemens in Karlsruhe analysiert. Neben der genauen Lokalisierung ermöglicht es diese Mess- und Berechnungsmethode zudem, die Polarität und Stromstärke sowie Teilblitze innerhalb eines Gesamtblitzes zu erkennen. Je präziser und schneller die Daten sind, umso höher der Schutz für Menschen, Industrieanlagen und Infrastruktur. Die Antennen sind so aufgebaut, dass sie erkennen können, aus welcher Richtung das Signal kommt. In Kombination mit den Informationen weiterer Antennen ist es möglich, den Einschlagspunkt zu bestimmen. Der Verlauf eines Gewitters kann so lückenlos dargestellt werden.

Mit dem kostenlosen BLIDS-Spion können sich Interessierte unter www.blids.de schnell und aktuell auch über Blitzeinschläge in der Schweiz informieren.

Kommentare zum Beitrag

Nolan Lumpkins vor 1 Woche

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