Die Energiezukunft wird in Asien gestaltet

Dem französischen Physiker Alexandre Edmond Becquerel wird zugeschrieben, dass er als erster den photovoltaischen Effekt entdeckt hat, der Elektrizität aus Sonnenlicht erzeugt. Das erste Solarmodul wurde dann in den USA gebaut. Aber als Abu Dhabi beschloss, das grösste einzelne Sonnenenergieprojekt der Welt zu bauen, suchte man im Osten nach Unterstützung.

Die Verantwortlichen der Vereinigten Arabischen Emirate schlossen sich mit chinesischen und japanischen Unternehmern zusammen. Daraus entstand 2019 mit dem Noor-Abu-Dhabi-Projekt der weltweit grösste Solarproduktionsstandort der Welt. Die Spitzenkapazität beträgt 1,18 Gigawatt und wird von 3,2 Millionen Sonnenkollektoren erzeugt. Asien, mehr als jede andere Region der Welt, und China, mehr als jede andere Nation, stellen derzeit die Zukunft der Solarenergie dar. Sie stehen unweigerlich im Zentrum, wenn es um die industrieweite Umstellung von fossilen Brennstoffen auf erneuerbare und nukleare Energie geht.

Verlagerung von West nach Ost

Die Dekarbonisierung verändert das Gesicht der Energie und der Weltwirtschaft in mehrfacher Hinsicht – mehr, als die meisten Verbraucher oder Führungskräfte denken. Nebst dem Übergang vom Molekül zum Elektron verlagert sich auch die wirtschaftliche Basis der Industrie von West nach Ost.

Asien ist das Schwergewicht in der Energieentwicklung. Das anhaltende Wirtschaftswachstum und der steigende Lebensstandard der asiatischen Völker wird diese in absehbarer Zeit zu den wichtigsten Energieverbrauchern wandeln. Eine Studie von BP zeigt, dass Asien, einschliesslich China und Indien, bis 2040 43 % des weltweiten Energiebedarfs beanspruchen werden. Bis dann wird die Region für mehr als 50 % des Nachfragewachstums verantwortlich sein. Im Gegensatz dazu wird die Energienachfrage in den 36 Ländern der OECD, zu denen die meisten grossen Volkswirtschaften Amerikas und Europas gehören, stagnieren.

Chinas sonnige Aussichten

Im Weiteren gehören Länder wie China bereits zu den wichtigsten Energie- und Technologielieferanten auf der Grundlage nicht fossiler Brennstoffe. 2017 wurde China 72 % der weltweiten Produktion von photovoltaischen Solarmodulen zugeschrieben. Im Vergleich dazu haben die USA 1 % und Europa 2 % beigetragen. Von acht Spitzenproduzenten sind sechs asiatisch. Ohne die Wasserkraft hat China etwa ein Drittel der weltweit installierten erneuerbaren Kapazität, die EU etwas mehr als ein Viertel und die USA 14 %. Übrigens ist China auch bei der Erzeugung von Wasserkraft führend.

Mit der fortschreitenden Elektrifizierung des Verkehrs und der wachsenden Nachfrage nach erneuerbaren Energiespeicherlösungen dürfte China auch hier ein gewichtiges Wort zu reden haben. In China werden mindestens zwei Drittel der weltweiten Produktionskapazität für Lithium-Ionen-Batterien hergestellt, die in Elektrofahrzeugen, Mobiltelefonen und Laptops Verwendung finden. Einige Schätzungen gehen davon aus, dass dieser Anteil sogar näher bei 70 % liegt. Es ist wahrscheinlich, dass dieser Vorsprung bis mindestens 2028 halten wird. Abgesehen davon, dass China der grösste Markt für Elektrofahrzeuge ist, kontrolliert es auch den Grossteil der Produktion.

In China befindet sich das drittgrösste Vorkommen des primären Rohstoffs, der für die Herstellung der Batterien verwendet wird, nämlich Lithium. Wegen seiner wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung wird es oft als «weisses Öl» bezeichnet. Chinesische Produzenten kaufen auch die Lithiumreserven in Chile auf, dem zweitgrössten Lithium-Bergbaubetrieb der Welt – Australien belegt den Spitzenplatz.

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Eine grundlegende Veränderung

Natürlich zwingt der Klimawandel die Energiewirtschaft zu einem existenziellen Wandel, der möglicherweise zur völligen Einstellung der Verwendung fossiler Brennstoffe führen wird. Während die meisten Führungskräfte der Ölfirmen bereits im Ruhestand sein dürften, bevor dieser Übergang abgeschlossen ist, ist die Verlangsamung der Nachfrage bereits heute spürbar.

Laut Vitol, einem in der Schweiz ansässigen Energie- und Rohstoffhandelsunternehmen, wird die weltweite Nachfrage nach Öl um das Jahr 2034 ihren Höhepunkt erreichen. Wood Mackenzie, ein Beratungsunternehmen für kommerzielle Intelligenz, geht davon aus, dass der Bedarf in den Industrieländern wahrscheinlich schon jetzt den Höhepunkt erreicht hat. Die OECD rechnet bis zum nächsten Jahr mit einem strukturellen Rückgang. Die weltweite Nachfrage nach flüssigen Brennstoffen dürfte in den nächsten fünf Jahren einen dramatischen Einbruch der Wachstumsrate erfahren.

Im Gegensatz dazu scheint die Nachfrage nach Elektrizität unersättlich zu sein. Die Elektrifizierungsraten steigen weltweit weiter an. Es wird erwartet, dass Asien bis 2030 einen nahezu 100 % Deckungsgrad erreicht. Ein Grossteil dieses Nachfragewachstums könnte durch erneuerbare Energien und Kernkraft statt durch Strom aus fossilen Brennstoffen gedeckt werden, obwohl Erdgas in den kommenden Jahren auch eine Rolle spielen dürfte. Dies könnte durch eine Dezentralisierung der Erzeugungskapazitäten erreicht werden, wie z.B. durch die jüngsten ländlichen Elektrifizierungsprojekte in Orten wie Malawi und Bangladesch, wo Bauern und Dörfer Solarzellenplatten und kleine Generatoren zur eigenen Stromversorgung einsetzen.

Doch trotz der Dringlichkeit aufgrund von Klimabedenken und rasch sinkender Kosten für erneuerbare Energien ist die Geschwindigkeit ungewiss, mit der dieser existenzielle Energiewandel stattfinden wird. Fossile Brennstoffe werden weiterhin vor und nach Steuern subventioniert, was die Verbraucher davon abhält, den Wechsel zu einer umweltfreundlicheren und häufig billigeren Energiequelle zu vollziehen. Experten des Internationalen Währungsfonds schätzen die Subventionen für fossile Brennstoffe wie Kohle und Erdöl nach Steuern – eine Folge von nicht kostendeckenden externen Effekten (Externalitäten), wie z.B. gesellschaftliche Kosten durch Luftverschmutzung und globale Erwärmung – auf insgesamt 5,2 Mrd. Dollar im Jahr 2017.

Sie schauen in die Zukunft

Unabhängig von der Geschwindigkeit der Transformation ist diese zweifellos bereits weit fortgeschritten. Deshalb bauen vorausschauende Köpfe in Regionen wie den Vereinigten Arabischen Emiraten (von denen Abu Dhabi das grösste ist) Solarenergie- und Atomkraftwerke, obwohl sie achtgrösster Ölproduzent der Welt sind – und setzen den Übergang mit asiatischen Partnern um.


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BP Statistical Review of World Energy 2019 | 68th edition (Studie, Web)

Energie sinnvoll nutzen (Web, Electrosuisse)

Erste alpine Solar-Grossanlage der Schweiz? (Blog)

Zäumen Sie Ihr Pferd auch von hinten auf? (Blog)

«Energie – sonnenklar», Photovoltaik: Technik und Infrastruktur (Info-Broschüre, PDF)

 

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