Die Top 10 Spitzentechnologien 2019

Die Technologien der Top-Ten-Liste werden von Mitgliedern des Expertennetzwerks des WEF kuratiert. Für die Auswahl spielen eine Reihe von Kriterien eine entscheidende Rolle. Neben der Verheissung grosser Vorteile für Gesellschaft und Wirtschaft müssen sie auch disruptiv, attraktiv für Investoren und Forscher sein und innerhalb von fünf Jahren eine beträchtliche Grössenordnung erreicht haben.

«Von der Einkommensungleichheit bis zum Klimawandel wird die Technologie eine entscheidende Rolle spielen. Wir stehen heute mit der Suche nach Lösungen vor einigen Herausforderungen. Die aktuellen neuen Technologien zeigen das rasante Tempo menschlicher Innovationen und geben einen Einblick in eine nachhaltige, integrative Zukunft», sagte Jeremy Jurgens, Chief Technology Officer des Weltwirtschaftsforums.

«Technologien, die heute entstehen, werden die Welt morgen und weit in die Zukunft prägen – mit Auswirkungen auf die Wirtschaft und die gesamte Gesellschaft. Während der 4. Industriellen Revolution ist es wichtig, dass wir darüber diskutieren und sicherstellen, dass die Menschheit durch diese neuen Innovationen profitiert, um weiterhin erfolgreich sein können», sagte Mariette DiChristina, Chefredakteurin von Scientific American und Vorsitzende des Emerging Technologies Steering Committee.
 

Die Top 10 Spitzentechnologien des vergangenen Jahres sind:

  1.  Biokunststoffe für eine Kreislaufwirtschaft
  2.  Soziale Roboter
  3.  Winzige Objektive für Miniaturgeräte
  4.  Ungeordnete Proteine als Angriffsziele für Medikamente
  5.  Intelligentere Düngemittel die die Umweltverschmutzung reduzieren können
  6.  Kollaborative Telepräsenz
  7.  Fortschrittliche Lebensmittelverfolgung und -verpackung
  8.  Sichere Kernreaktoren
  9.  DNA-Datenspeicherung
  10.  Speicherung erneuerbarer Energien im Versorgungsbereich


Herausgepickt

WEF_social_robots

In Industrie und Medizin bauen, zerlegen und kontrollieren Roboter routinemässig Dinge, helfen bei Operationen und geben verschreibungspflichtige Medikamente in Apotheken ab. Weder sie noch «soziale» Roboter, die darauf ausgelegt sind, mit Menschen zu interagieren und eine emotionale Verbindung hervorzurufen, verhalten sich wie die Magd Rosie der Jetsons oder andere geliebte Droiden aus der Fiktion. Dennoch ist zu erwarten, dass soziale Roboter in den nächsten Jahren immer anspruchsvoller und weiterverbreitet werden. Dieser Bereich scheint einen Kipppunkt mit Bots mit grösseren interaktiven Fähigkeiten und mehr nützlichen Aufgaben erreicht zu haben. 

Wie die meisten Roboter nutzen auch soziale Roboter künstliche Intelligenz (KI). Diese erlaubt ihnen zu entscheiden, wie sie auf Informationen reagieren, die sie durch Kameras und andere Sensoren erhalten haben. Die Fähigkeit, für das menschliche Empfinden ganz natürlich zu reagieren, wurde durch die Erforschung menschlicher Wahrnehmungen entwickelt. Diese machen es aus, dass die Roboter «soziale und emotionale Intelligenz» entwickeln und Gedanken und Gefühle von Menschen entsprechend ableiten. Neurowissenschaftliche Erkenntnisse ermöglichen den Robotern via Algorithmen, Stimmen, Gesichter und Emotionen zu erkennen, Sprache und Gesten zu interpretieren. Sie reagieren angemessen auf komplexe verbale und nonverbale Hinweise, nehmen Augenkontakt auf, führen Gespräche und passen sich den Bedürfnissen der Menschen an, indem sie aus Feedback, Belohnungen, Erfahrungen und Kritik lernen.

Demzufolge erfüllen Sozialroboter eine immer grösser werdende Vielfalt von Rollen. Ein 47-Zoll-Humanoid namens «Pepper» von SoftBank Robotics beispielsweise erkennt Gesichter und grundlegende menschliche Emotionen. Er führt Gespräche und kann auch über einen Touchscreen bedient werden. Er führt weltweit Dienstleistungen wie Hotel Check-in, Flughafen-Kundenservice oder Einkaufsunterstützung durch und bedient eine Fastfood-Kasse. «Temi» (aus Temi USA) und «Loomo» (Segway Robotik) gehören zur nächsten Generation persönlicher Assistenten, genauso wie Amazon «Echo» und Google Home, jedoch in der mobilen Version und mit einer neuen Dimension bezüglich Funktionalität. Loomo zum Beispiel ist nicht nur ein Begleiter, sondern kann auf Befehl auch in einen Transport-Roller verwandelt werden.

Sozialroboter haben eine besondere Attraktivität bezüglich Unterstützung der zunehmend älteren Bevölkerung. Der Therapie-Roboter «PARO» (entwickelt vom National Institute of Advanced in Japan), in Gestalt einer kuscheligen Baby-Robbe, soll einerseits Stress abbauen und andererseits z.B. Menschen mit der Alzheimer-Krankheit und weitere Pflege-Patienten zu Aktivitäten anregen. Er antwortet auf seinen Namen, indem er seinen Kopf oder Augen bewegt. Ausserdem fordert er durch Rufe nach Streicheleinheiten. «Mabu» (Catalia Health) als Wellness-Assistentin fordert Patienten und vor allem ältere Menschen auf, sich an geplante Aktivitäten wie beispielsweise Spaziergänge oder die Einnahme von Medikamenten zu erinnern oder Familienmitglieder anzurufen. 

Auch bei Verbrauchern gewinnen Sozialroboter an Bedeutung. Versuche, soziales Verhalten in Form von Spielzeug wie Hasbro's Baby Alive und Sonys AIBO Robotik Hund, zeigten nur begrenzten Erfolg. Allerdings sind beide in neuen Versionen wieder auf dem Vormarsch. «AIBO» beispielsweise hat eine ausgefeilte Sprech- und Sprachqualität und enthält Gestenerkennung. Ihm können Tricks beigebracht werden und er entwickelt neue Ideen und Verhaltensweisen, die auf früheren Interaktionen basieren.

Der weltweite Umsatz mit Konsumrobotern erreichte im Jahr 2018 ca. 5,6 Milliarden Dollar. Schätzungen gehen davon aus, dass dieser Markt bis Ende 2025 auf 19 Milliarden Dollar und über 65 Millionen Roboter ansteigt. Dieser Trend mag überraschen, wenn man bedenkt, dass mehrere gut finanzierte Konsumroboter-Firmen, wie jene von Jibo und Anki zuerst versagt haben. Es zeichnet sich jedoch ab, dass eine Welle neuer Roboter an die Stelle der nicht mehr funktionierenden Roboter, (einschliesslich BUDDY von Blue Frog Robotics) treten. Geräte, die spielen, aber auch als persönlicher Assistent und zur Bereitstellung von Haustechnik und Sicherheit dienen.


WEF_collaborative telepresence

Stellen Sie sich eine Gruppe von Menschen in verschiedenen Teilen der Welt vor. Eine Welt, in der man reibungslos interagiert, als ob man physisch eins wäre – bis hin zur Fähigkeit, die Berührung des anderen zu spüren. Die Komponenten, die eine solche «kollaborative Telepräsenz» ermöglichen, könnte die Art und Weise, wie wir gemeinsam arbeiten und uns austauschen verändern. Dadurch wird der physische Standort irrelevant.

Videogesprächs-Apps (z.B. Skype oder FaceTime) haben das, was einst Unternehmen vorbehalten war, für die Verbraucher zugänglich gemacht. Multiplayer-Online-Spiele haben die Art und Weise, wie Menschen im Internet interagieren, radikal verändert. So könnte die kollaborative Telepräsenz die Form, wie Menschen im Unternehmen und darüber hinaus zusammenarbeiten, verändern. Medizinische Dienstleister können beispielsweise mit Patienten aus der Distanz so arbeiten, als ob sie sich im selben Raum befinden. Freunde und Familien können gemeinsam das Zusammensein in einem gemütlichen Raum oder die Tour durch eine neue Stadt teilen, auch wenn sie sich nicht wirklich am selben Ort befinden. 

Fortschritte in mehreren Bereichen haben diese Perspektive ermöglicht. Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR)-Technologien werden immer leistungsfähiger und bezahlbarer, um auch eine breite Anwendung zu ermöglichen. Telekommunikationsunternehmen bauen 5G-Netzwerke schnell genug aus, um Massen von Daten aus modernen Sensor-Arrays ohne Verzögerung zu verarbeiten. Innovatoren perfektionieren Technologien, die es Menschen ermöglichen, physisch in entfernten Umgebungen zu interagieren – einschliesslich haptischer Sensoren, die es ermöglichen zu fühlen, was ihre Roboter-Avatare berühren. Die für die kollaborative Telepräsenz vorgesehene vollständige sensorische Immersion erfordert Verzögerungszeiten, die wesentlich geringer sind als sie für Videoanrufe akzeptabel sind – und sie können manchmal sogar 5G-Netzwerke belasten. Prädiktive KI-Algorithmen könnten die Wahrnehmung von Zeitlücken jedoch durch den Benutzer beseitigen.  

Obwohl die kollaborative Telepräsenz noch sehr in ihren Anfängen steckt, sind alle Elemente bereits vorhanden. So könnten sie innerhalb von drei bis fünf Jahren transformativ werden. Microsoft und andere Unternehmen investieren bereits in Technologien, die bis 2025 einer Multimilliarden-Dollar-Industrie zugutekommen sollen. Und die XPRIZE-Foundation hat den 10 Millionen Dollar teuren ANA Avatar XPRIZE Wettbewerb (gesponsert von All Nippon Airways) ins Leben gerufen, um Technologien zu entwickeln, die «den Sinn, die Handlungen und die Präsenz eines Menschen in Echtzeit an einen entfernten Ort transportieren und zu einer vernetzten Welt führen». Da alle Elemente miteinander verbunden sind, erwarten sie Veränderungen im alltäglichen Leben und in der Arbeit, die so dramatisch sind wie die, die durch die weit verbreitete Einführung von Smartphones ausgelöst wurde. 

 

Top 10 Emerging Technologies 2019 (WEF report, Web)

WEF – World Economic Forum (Web)

Industrie 4.0 zum Anfassen (Artikel, bulletin.ch)

Alles nur Spinnereien? (Blog)

Die Zukunft der Arbeit (Blog)

 

Quelle Text+Bilder: Auszug aus dem WEF-Report «Top 10 Emerging Technologies 2019»
Headerbild: pixabay
Basisübersetzung: DeepL

 

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