Energiewende in der Schweiz

Wo stehen wir in der Energiewende in der Schweiz? Eine neue Studie der Uni. St. Gallen zeigt auf, dass 55 % der Schweizerinnen und Schweizer finden, dass die Energiewende schneller vorangehen sollte. Eine grosse Mehrheit (vier von fünf Personen) begrüsst das Engagement der Klimajugend. Würden Ölheizungen verboten, so fände dies bei 54 % der Bevölkerung Unterstützung. 71 % der Umfrageteilnehmer sprechen sich für den Ausbau öffentlicher Investitionen bezüglich Solarenergie aus.

Aus dem 10. Kundenbarometer erneuerbare Energien der Universität St.Gallen in Zusammenarbeit mit Raiffeisen Schweiz und Energie Schweiz ist ersichtlich, dass die Energiewende für eine Mehrheit der Schweizerinnen und Schweizer zu langsam voranschreitet. Hier ist allerdings ein «Rösti-Graben» erkennbar: Nur 3 % der Westschweizer Umfrageteilnehmer sind der Meinung, dass es bei der Energiewende zu schnell gehe. In der Deutschschweiz sind dies 16 %.

Das Kundenbarometer erlaubt, Veränderungen über mehrere Jahre zu erkennen. Eine ersichtliche Veränderungstendenz ist beispielsweise das verstärkte Vertrauen in einen möglichen Verzicht auf fossile Energien. 2015 waren es lediglich 47 % der Befragten, die sich vorstellen konnten, dass wir eines Tages ohne fossile Energie auskommen können, 2020 waren es 67 %.

Unterstützung hypothetischer Initiativen
67 % der Befragten würden die Gletscher-Initiative heute annehmen oder eher annehmen. Der Anteil der unter 30-jährigen Befragten beträgt diesbezüglich 78 %, jener der 30- bis 44-Jährigen fällt mit 56 % um einiges tiefer aus.

Eine Mehrheitsfähigkeit bezüglich der Finanzierung der Energiewende wurde in der Umfrage ebenfalls analysiert. Darin wurde der Ausbau der Solarenergie durch einen einmaligen Investitionsbeitrag der Schweizerischen Nationalbank vorgeschlagen. Das Ergebnis zeigt mit 71 % ja oder eher ja eine ähnlich hohe Unterstützung auch für eine solche hypothetische Initiative.
 

ustg-infografiken-kundenbarometer2020-delogo-7


E-Mobilität: Grosses Interesse, Wissenslücken bleiben bestehen
Von den Befragten, die sich für einen Autokauf in den nächsten fünf Jahren interessieren, setzen 51 % ein reines Elektroauto an erste oder zweite Stelle ihrer Wahl. Hier besteht ein Geschlechterunterschied: Frauen zeigen weniger Begeisterung für Elektroautos als Männer. Auffallend ist, dass zwar das Interesse an der Elektromobilität zunimmt, das entsprechende Wissen jedoch noch immer nicht angekommen ist. 60 % der Befragten glauben, dass Elektroautos einen wesentlichen Beitrag zur Verminderung von CO2-Emissionen beisteuern.

Ölheizung: Zeit abgelaufen?
Die Schweiz weist den höchsten Anteil an Ölheizungen in ganz Europa aus. Mit 54 % findet eine knappe Mehrheit der Befragten, dass sich dies ändern sollte. Sie würden ein Verbot von Ölheizungen befürworten oder eher befürworten. Für lediglich 2 % der Hausbesitzer wäre eine Ölheizung die erste Wahl für den Ersatz ihres Heizsystems. Die tatsächliche Entscheidung hängt dann allerdings von verschiedenen Faktoren ab. Geht es um eine defekte Ölheizung, die schnell repariert oder ersetzt werden muss, bleibt es oft beim Status Quo. Dabei spielt auch die Empfehlung eines Installateurs eine wichtige Rolle.

UStG_Infografiken_Kundenbarometer2020_DE+Logo_1


«Klimabonus» auf Hypotheken?
Viele Hausbesitzer führen ein begrenztes Budget als Investitionshürde in erneuerbare Energien an. Ein Klimabonus auf Hypotheken könnte gemäss dieser Studie dem Interesse an erneuerbaren Energien auch Taten folgen lassen. Ein solcher Bonus würde demzufolge 28 % der renovationswilligen Hauseigentümer dazu ermuntern, in eine zweckgebundene Erhöhung der Hypothek für die Umsetzung klimafreundlicher Massnahmen zu investieren und z.B. eine PV-Anlage anzuschaffen.

Uni_SG_Klima_Hypothek

Video Uni. St. Gallen: Vom Interesse zum Handeln, Klima-Hypothek


Klimawandel: stark emotionales Thema
Die Studie zeigt, dass der Klimawandel eine emotionale Angelegenheit ist: 53 % der Befragten fühlen sich traurig, wenn sie an den Klimawandel denken und 37 % haben gar Angst. Ein möglicher Grund dafür könnte sein, dass es für 69 % der Befragten sehr wahrscheinlich erscheint, dass ihre Region vom Klimawandel betroffen sein wird; 51 % geben an, dass dies heute schon der Fall sei. Hier besteht eine Diskrepanz in der Wahrnehmung zwischen Wissenschaftlern und der Bevölkerung: 97 % der Klimaforscher sind davon überzeugt, dass der vom Menschen verursachte Klimawandel stattfindet (American Association for the Advancement of Science, 2014). 69 % der Befragten sind der Meinung, dass sich lediglich 69 % der Wissenschaftler darüber auch einig sind.

#FridaysforFuture: Sympathie und Skepsis
Seit einiger Zeit beeinflusst die Bewegung Fridays for Future die Klima-Debatte. 80 % der Schweizerinnen und Schweizer begrüssen es, dass sich junge Menschen für Umweltfragen und Klimaschutz einsetzen. Allerdings besteht auch eine gewisse Skepsis bezüglich der Wirksamkeit der Streiks: 62 % der Befragten glauben, dass der Umwelt damit nicht wirklich geholfen ist.

Technologische Innovation VS Verhaltensänderung
Es bestehen grosse Hoffnungen bezüglich technologischer Innovationen, jedoch bestehen gemischte Gefühle in Bezug auf Verhaltensänderungen. Mit 78 % stehen technologische Innovationen an erster Stelle beim Klimaschutz. Dass viele Menschen ihren Energieverbrauch für den Klimaschutz freiwillig reduzieren werden, halten nur 20 % für sehr oder eher wahrscheinlich. Allerdings sehen 67 % der Befragten in einem veränderten Konsumverhalten die zweitwichtigste Stellschraube für eine Lösung des Klimaproblems.

Gegenwind für CO2-intensive Reisen
Mit 12 - 18 % der Emissionen macht der Flugverkehr einen bedeutenden Teil des schweizerischen CO2-Fussabdrucks aus. 67 % der Befragten finden, dass Flugreisen zu billig seien. Die aktuelle Aussage bedeutet einen Anstieg um 10 Prozentpunkte gegenüber 2018 und spiegelt die öffentliche Diskussion um eine Flugticketabgabe wider.


10th Consumer Barometer, of Renewable Energy (Vollständige Studie: englisch, pdf, Uni SG)

e-mobile, Fachgesellschaft für energieeffiziente Mobilität (Web, Electrosuisse)

Energie sinnvoll nutzen (Web, Electrosuisse)

Kennen Sie die Energiestrategie 2050? (Blog)

Unwissenheit und fehlende Erfahrung bremsen die Energiestrategie 2050 (Blog)

Der lange Weg der Energiewende (Blog)

Die Energiewende ist auch eine Kulturwende, Integration branchenfremder Führungskräfte (Artikel, bulletin.ch)

Garchinger Zukunfts­labor der Energieforschung, Fokus auf Dialog der Wissenschaft mit der Bevölkerung (Artikel, bulletin.ch)¦|°

«Anschluss finden», Elektromobilität und Infrastruktur (Info-Broschüre, Electrosuisse)

«Energie – sonnenklar», Photovoltaik: Technik und Infrastruktur (Info-Broschüre, Electrosuisse)

Infografik TCS (Web)


Veranstaltungshinweise

 

Textquelle und Bilder: Uni. St. Gallen
 

 

Kommentare zum Beitrag

Noch keine Kommentare zu diesem Beitrag vorhanden.

Einen Kommentar schreiben


Weitere Beiträge