Erfahrungsbericht Renault Zoé

Zum ersten Mal im Alltag unterwegs mit einem Elektroauto. Und hier die wichtigste Erkenntnis vorweg:

Elektrisch fahren macht Spass!

Die zwei Wochen, währenddenen ich mit dem Renault Zoé unterwegs war, haben mich wirklich «elektrisiert». Der kleine und unscheinbare Zoé gibt viel mehr her, als ich geahnt hatte.

Wichtige Bemerkung:
Es handelt sich hier um einen Bericht aus Sicht «Otto-Normalverbraucher» und erhebt keine Ansprüche auf einen technisch ausgefeilten Rapport.

Natürlich habe ich mir immer wieder mal vorgestellt, wie es wohl sein könnte, ein Elektroauto zu fahren. Also nicht nur während einer Probefahrt, sondern regelmässig und im täglichen Gebrauch – für meinen Arbeitsweg eine durchaus realistische Vorstellung. Doch wie meistens, wenn der Bauer etwas nicht kennt, ist er sehr skeptisch und findet zig Gegenargumente, um «etwas nicht fressen zu müssen». So war es bei mir nicht anders. Reicht die Reichweite? Muss ich ständig laden? Muss ich vorausplanen, um immer genügend «Saft» zu haben? So oder so war mir klar: Ich muss mich umstellen. Und Umstellungen mag ich – so wie der Mensch generell – gar nicht. Da läutet unser Verstand alle Alarmglocken. Bitte keinen Aufwand! Änderung = böse!! Lass doch einfach die Finger davon. Es ist alles gut so, wie es ist. Unsere Komfortzone lässt grüssen… Das «wahre Leben» beginnt aber jenseits der Komfortzone. Getreu dieses Mottos habe ich mich also auf die  neue Erfahrung eingelassen. Und siehe da, ich wurde positiv überrascht, sehr positiv, ...eigentlich nur positiv. Alle meine Befürchtungen und Vorurteile wurden bereits in den ersten Tagen komplett weggefegt.

Reichweite?

Null Problem! Auch wenn die Maximalreichweite von 300 km für mich eher bei 230 km lagen, war das bei meinem täglichen Arbeitsweg von 40 km mehr als ausreichend.

Ständig laden?

Von wegen. Einerseits musste ich gar nicht täglich laden. Andererseits konnte ich den Zoé während der Arbeitszeit in der Firma einstecken. Mittels 22 kW-Station konnte die Batterie innerhalb von 2–3 Stunden vollständig geladen werden. Im Ausnahmefall konnte ich auch mit dem 3,7 kW-Anschluss überbrücken.

Vorausplanung?

Im Gegenteil. Ich hatte eine Sorge weniger, nämlich wann und wo zu tanken. Alles in Allem ein unkompliziertes Fahren, sogar mit Entlastung für mich und praktisch ohne die befürchtete Umstellung. Natürlich: Hätte ich die Option, das Auto in der Firma zu laden nicht gehabt, wäre es definitiv nicht so einfach gewesen. Zu Hause habe ich nämlich keine entsprechende Möglichkeit. Aber so war es optimal.

Nach den ersten Tagen waren nicht nur meine Vorurteile weg. Es begann sogar, richtig Spass zu machen. Dabei hat sich etwas verändert, was mich echt überrascht hat: Mein Fahrverhalten. In den ersten zwei Tagen hatte ich am meisten Freude an der stufenlosen Beschleunigung. Diese Freude hat sich aber sehr schnell gelegt und ist dem achtsamen Fahren gewichen. Ich habe wirklich angefangen, bewusster zu fahren. Das habe ich gefühlt seit der Autoprüfung nicht mehr gemacht. So wurde umgehend in den Eco-Modus gewechselt und darauf geachtet, möglichst vorausschauend und sparsam zu fahren. Motiviert haben mich dazu auch die vielen Helferlein, wie Momentan- und Durchschnittsverbrauch, Bremsverhalten und Geschwindigkeit. Der Eco-Cockpit hat zudem meinen Spieltrieb aktiviert. Ich wollte möglichst viel Energie rekuperieren, den Verbrauch unter 17 kWh und meinen ökologischen Fahrwert über 85 (von 100) halten. Die Beschleunigung war plötzlich gar nicht mehr spassig, sondern wenn möglich sogar zu verhindern. Das wäre mir beim bisherigen Benzin- oder Diesel-Fahren nie in den Sinn gekommen. Warum auch? Tanken muss ich ja eh…

Ein toller Elektro-Flitzer

Soviel zum Thema Elektroauto-Fahren. Was hat es aber mit dem Renault Zoé auf sich? Ich muss gestehen, dass ich bis jetzt kein Freund französischer Autos war. Völlig unbegründet, aber Tatsache. Auch deshalb versuche ich zu relativieren, was den Wechsel auf ein anderes Auto generell und was tatsächlich den Zoé betrifft. So habe ich mir weder eine Einführung geben lassen, noch die Anleitung gelesen. Ich wollte wirklich auch die intuitiven Fähigkeiten der Renault-Designer testen. Das Meiste war auf Anhieb klar. Es gab aber Elemente, die ich intuitiv nicht bedienen oder finden konnte. So wie die Sitzheizung oder die Radio-Bedienung via Lenkrad, die nach meiner Ansicht etwas speziell platziert sind. Oder das Smartphone, das man via R-Link koppeln muss. Wenn man diese Sachen einmal weiss, ist es aber kein Problem. Auch nicht ganz schlüssig erschien mir das Farbkonzept des jeweiligen Fahrmodus. So steht blau für «Normal» und grün für «Eco». Also grün gleich ökonomisch-ökologisch. Der Energieverbrauch wird aber ebenfalls in grün angezeigt, die Rekuperation dafür in blau. Das ist aber nur ein design-kosmetisches Fragezeichen. Keine Begeisterung empfand ich für das vorwiegend in Plastik gehaltene Interieur, das aber im Laufe der Tage immer unwichtiger wurde. Was mich aber umso positiver überrascht hat, waren Fahrverhalten und Platzverhältnisse. Der Zoé fährt sich wirklich sehr angenehm, geschmeidig und regelmässig. Die Lenkung ist für meinen Geschmack direkt genug. Das Gas-/Bremsverhalten musste sich etwas einpendeln, empfand ich dann aber als ideal. Den Platz habe ich mit einem kleinen Familien-Ausflug mit meinen 2 Kids getestet. Die zwei Kindersitze hatten problemlos Platz. Auch der Buggy konnte im Kofferraum verstaut werden – wenn auch knapp.

Mein Fazit

Das war eine coole Erfahrung mit einem tollen Elektro-Flitzer.

Es macht nicht nur Sinn, sondern auch Spass.

Als Familienfahrzeug für längere Strecken bevorzuge ich weiterhin unseren Van (MPV). Als Auto für meinen aktuellen Arbeitsweg kommt jetzt aber definitiv ein Elektroauto à la Renault Zoé in Frage. Der einzige Wermutstropfen aus dieser Erfahrung: Ich habe keine Lust mehr, wieder auf meinen Diesel umzusteigen…

 

Renault Zoé (Web)

Wahl zum grünsten Auto der Schweiz 2018 (Web)

e-mobile.ch (Web)

Energieeffiziente Fahrzeuge, Marktübersicht (Web)

«Anschluss finden», Elektromobilität und Infrastruktur (PDF)

 

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Fotos: Renault + Electrosuisse

 

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