Erste alpine Solar-Grossanlage der Schweiz?

Vor allem im Winter können alpine Photovoltaikanlagen einen wichtigen Beitrag an die energieeffiziente Stromversorgung der Schweiz leisten. Innovative Projektideen wie die Verkleidung von Felswänden mit PV-Modulen am Walensee oder neu eine 2 MW Photovoltaikanlage an der Muttsee-Staumauer lassen aufhorchen. Potenzial ist vorhanden, insbesondere in alpinen Regionen.

«Strom ist das neue Erdöl», sagte der Generalsekretär des Weltenergierates Christoph Frei bereits 2017 an der Konferenz «energy2050» in Salzburg. Bevor dieses «neue Öl» jedoch auch im Winter üppig fliessen kann, müssen noch etliche Hürden überwunden werden. Technisch und technologisch ist vieles möglich, doch dies alleine reicht noch nicht aus. Wie kommt die Energie effizient zu den Verbrauchern? Wer finanziert den Aufbau von Anlagen und Übertragungsleitungen, wer den Betrieb? ...und dann ist da noch die Sache mit dem Umwelt- und Naturschutz. Dies sind viele Faktoren und Interessen, die unter einen Hut gebracht werden müssen.

2 MW-Photovoltaikanlage an der Muttsee-Saumauer

Die Staumauer des Muttsees ist dank der bestehenden Infrastruktur, Ausrichtung und Höhenlage prädestiniert für die Produktion von Solarstrom. Deshalb möchte der Energiekonzern Axpo in Glarus ein Solar-Grossprojekt realisieren. Für dieses Vorhaben sind 6 000 PV-Module auf einer Fläche von 10 000 m2 nötig, die an der Staumauer des Linth-Limmern-Stausees angebracht würden. Die Anlage würde eine Jahresstromproduktion von 2,7 Gigawattstunden erlauben und könnte rund die Hälfte der Stromproduktion des Energiekonzerns während des Winters liefern, also in einer Jahreszeit, in der es tendenziell zu wenig Strom gibt. Eine vergleichbare Anlage im Mittelland würde lediglich einen Viertel dieses Potenzials ausschöpfen. Gebaut wird aber nur, wenn der Bund diese Pionieranlage in die Liste der Leuchtturmprojekte aufnimmt.
 

«Die Muttsee-Staumauer ist ausserordentlich gut für Photovoltaik geeignet», sagt Christoph Sutter, Leiter neue Energien bei Axpo. «Wir haben eine bestehende Infrastruktur, die über einen Netzanschluss verfügt und gegen Süden ausgerichtet und damit optimal besonnt ist. Darüber hinaus liegt die Anlage auf fast 2 500 Meter Höhe und liefert damit besonders während der Wintermonate viel Strom.»

Im Vergleich zu Anlagen im Unterland liefern Photovoltaikanlagen im alpinen Bereich im Winterhalbjahr wesentlich mehr Elektrizität. Dies liegt insbesondere daran, dass in hohen Lagen weniger Nebel liegt und es entsprechend mehr Sonneneinstrahlung gibt. Ausserdem ist der Wirkungsgrad von PV-Modulen bei tiefen Temperaturen höher. Ein weiterer, positiver Effekt entsteht durch das von der Schneedecke reflektierende Sonnenlicht, was die Solarstrom-Ausbeute erhöht.

Bis anhin einzigartig

Das Solarprojekt an der Muttsee-Staumauer ist in der Schweiz bisher einzigartig und richtungsweisend. Deshalb wird der Energieunternehmer beim BFE beantragen, die Anlage in die Liste der Leuchtturmprojekte aufzunehmen. Darüber hinaus laufen derzeit Gespräche mit potentiellen Partnern, die am produzierten Solarstrom im Rahmen von Langzeitverträgen interessiert sind.

Ausbau der «Winterstromproduktion»: Alpine PV als Teil der Lösung

Wir verbrauchen im Winter deutlich mehr Strom, als wir produzieren können. Diese Winterstromproblematik wird sich in den nächsten Jahren verschärfen, wenn bestehende Grosskraftwerke im In- und Ausland vom Netz gehen. In den vergangenen Jahren wurden die erneuerbaren Produktionskapazitäten in der Schweiz vor allem mit Photovoltaikanlagen im Mittelland ausgebaut (Zwischen 2013 und 2017 betrug die Photovoltaik fast 90 % des Zubaus). Bezüglich Winterstromproblematik entschärfen diese Anlagen die Situation allerdings nicht. 

Die alpine Photovoltaik bietet einen vielversprechenden Ansatz, die Energiestrategie 2050 des Bundes zu unterstützen und gleichzeitig Winterstrom zu liefern.
 

«Wir sehen, dass man mit Photovoltaik grosse Mengen Strom produzieren kann», sagt Andy Heiz, Leiter Produktion und Netze bei Axpo. «Um einen wesentlichen Beitrag zu leisten, reicht die Anlage auf der Muttsee-Staumauer natürlich nicht aus. Man müsste weitere Standorte ausbauen, die nicht in Schutzgebieten liegen und bereits gut erschlossen sind. Dafür müssen allerdings auch die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen stimmen.»

 


Veranstaltungshinweise

 

Wintersonne für die Versor­gungs­sicher­heit, Vorteile der alpinen Photovoltaik (bulletin.ch)

Mit welchem Netz in die Zukunft? Neue Anforderungen (Artikel, bulletin.ch)

Energiepolitik gegen das Bermuda-Dreieck, Wie sich die Branche auf die Zukunft vorbereiten muss (Artikel, bulletin.ch)

«Energie – sonnenklar», Photovoltaik: Technik und Infrastruktur (Info-Broschüre, PDF)

Energie Romande baut schwimmenden Alpen-Solarpark (Artikel, Web)

Zwei alpine Solarprojekte gehen in Betrieb (energate Artikel, Web)

 

Text, Video, Foto: Axpo
 

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