Erstprüfung hinter RCD

Seit dem ersten Januar 2010 müssen freizügig verwendbare Steckvorrichtungen mit einem Bemessungsstrom ≤ 32 Ampere mit einer Fehlerstrom-Schutzeinrichtung (RCD) IΔn ≤ 30mA geschützt sein. In der Niederspannungs-Installationsnorm (NIN) 2020 wird diese Forderung nun auch auf Beleuchtungsstromkreise in Wohnungen und Einfamilienhäusern ausgeweitet. Bei der Erstprüfung (NIN 6.1) und auch bei der periodischen Kontrolle (NIN 6.2) wird die Überprüfung der automatischen Abschaltung der Stromversorgung im Fehlerfall gefordert.

Am Anfang einer korrekten Installationsprüfung steht die umfassende Sichtkontrolle, mit welcher unter anderem der Berührungsschutz (IP 2X), die richtige Wahl und Anordnung der Betriebsmittel sowie die Übersichtlichkeit der Installation überprüft wird. Mit der anschliessenden Schutzleiterwiderstandsprüfung (RPE) wird die ausreichende Leitfähigkeit des Schutzleiters nachgewiesen. Diese muss zwingend an jeder Steckdose und an den Körpern von Geräten der Schutzklasse I durchgeführt werden.

Die Messung des Isolationswiderstandes ermöglicht eine grundlegende Aussage über die Qualität der Installation und ist wichtig für die Verhütung von Bränden. Die beschriebenen Prüfungen werden im spannungsfreien Zustand durchgeführt. Die erforderliche Energie für die Messung wird, wo benötigt, aus der Batterie des Messmittels bezogen. Die weiteren Kontrollen werden unter Spannung und somit im eingeschalteten Zustand durchgeführt. Somit kann jetzt die Polarität und wo anwendbar das Drehfeld auf die geforderte Rechtsdrehsinn kontrolliert werden. Die Prüfung der Polarität bezieht sich nicht nur auf die Anschlüsse der Aussenleiter L+/L- bei einer Gleichstromversorgung, sondern auch auf die richtige Zuordnung von Schutzleitern, Neutralleitern und den einzelnen Aussenleitern. Auch ist zu überprüfen, dass bei einpoligen Steuer- und Schutzeinrichtungen (Sicherungen, Leitungsschutzschaltern, Schalter, etc.) tatsächlich der Aussenleiter geschaltet und/oder geschützt wird.

Automatische Abschaltung im Fehlerfall

Ist der betreffende Stromkreis durch eine Fehlerstrom-Schutzschaltung geschützt, wird diese zuerst besichtigt. Dabei wird überprüft, ob der richtige Typ mit dem korrekten Bemessungsdifferenzstrom (IΔn) dem betroffenen Endstromkreis zugeordnet ist. Bei dieser Gelegenheit kann auch die Prüftaste wie gefordert betätigt werden. Der RCD muss dabei auslösen. Wird beispielsweise eine vierpolige Fehlerstrom-Schutzeinrichtung in einem 230V-Stromkreis verwendet, muss der Aussenleiter so angeschlossen werden, dass die Funktion der Prüftaste gewährleistet ist. Der interne Anschluss des Prüfstromkreises an einen Aussenleiter innerhalb der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung, kann je nach Hersteller und Typ unterschiedlich sein. Deshalb ist in einer solchen Situation immer zu prüfen welcher Strompfad entsprechend den Herstellerangaben verwendet werden muss.
 

RCD_Test
 (Bild 1) RCD-Test


Mit dem Installationsprüfgerät wird nun die Abschaltung im Feherfall geprüft. Diese Prüfung wird mit der Impulsmethode durchgeführt und beinhaltet zwei Teilprüfungen. Die «Vorprüfung» besteht aus einem Fehlerstrom ≤ 50 % des Bemessungs-Differenzstrom zwischen Aussenleiter und Schutzleiter (Bild 1, «0.4x»). Diese Prüfung darf keine Auslösung des RCD zur Folge haben (Bild 2, «x1/2»). Gemäss SN EN 61227-6 darf ein Fehlerstrom-Schutzschalter erst bei einem Fehlerstrom grösser als 0.5 x IΔn auslösen. Damit wird gewährleistet, dass bei minimalen Fehler- oder betriebsbedingten Ableitströmen keine ungewollte Auslösung erfolgt, was im Betrieb als störend empfunden und somit dem «Ruf» der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung schaden würde. 

RCD_Vorprüfung_keine_Auslösung
(Bild 2) Vorprüfung - keine Auslösung des RCD


Die Hauptprüfung erfolgt mit 100 % (Bild 3, «x1») des Bemessungs-Differenzstromes und muss die Auslösung des RCD in 0 0.3 Sekunden bewirken. Die effektive Auslösezeit wird protokolliert.
 

RCD_Hauptprüfung_Auslösezeit
(Bild 3) Hauptprüfung mit Anzeige der Auslösezeit


Nun ist noch der Spannungsfall über den Leitungswiderstand zu prüfen und eine umfassende Funktionskontrolle durchzuführen. Die Messresultate sind entsprechend zu dokumentieren.


Fazit

Gemäss NIN 4.1.1.4 Abs. 5 NIN 5.3.1.1 können zum «Schutz gegen den elektrischen Schlag durch automatische Abschaltung der Stromversorgung» sowohl Überstrom- wie auch Fehlerstrom-Schutzeinrichtungen eingesetzt werden. Mit der korrekten Prüfung der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung wird die automatische Abschaltung im Fehlerfall (Fehler zwischen L und PE) gemäss NIN 4.1.1.3.2 Abs. 1 einwandfrei nachgewiesen. Der RCD kann also eine Abschaltung im Falle einer direkten und indirekten Berührung durch einen Menschen detektieren und den Stromkreis in der geforderten Zeit abschalten. Weil mit der Fehlerstrom-Schutzeinrichtung die automatische Abschaltung gewährleistet ist, wird die Schleifenimpedanz-Messung hinfällig.

 

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Autor: Nico Schroffenegger, eidg. dipl. Elektro-Installateur Electrosuisse Fachstellenleiter/Referent Weiterbildung. Themenschwerpunkte:Geräteprüfung nach SNR 462638, Erstprüfung gemäss NIN.
Bilder: Nico Schroffenegger; Header: Electrosuisse

 

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