IT-Trends 2019: Internationale Studie über intelligente Technologien

Eine neue Studie der Beratungsfirma Capgemini zeigt den aktuellen Stand über die Implementierung intelligenter Technologien in Grossunternehmen. Sie beruht auf einer Umfrage von 108 Entscheidungsträgern aus Deutschland (84), Österreich (18) und der Schweiz (6), die mehrheitlich einen Umsatz von über 500 Millionen Euro jährlich erzielen.

Die Pace der Digitalisierung in Unternehmen ist hoch. Allerdings stecken die meisten Firmen noch mitten in der Implementierung von Cloud, Big Data und ihrer Dateninfrastruktur. Und da steht bereits die nächste grosse Herausforderung an, nämlich die Nutzung intelligenter Technologien. Einige Vorreiter befassen sich bereits damit, während dem sich die Masse noch wenig bis kaum damit auseinandersetzt. Die Ansprechpartner für die Befragung für die Capgemini-Studie waren Personen, die auf Geschäftsführungs-, beziehungsweise oberer Managementebene zu den strategischen IT-Aktivitäten ihres Unternehmens Auskunft geben konnten.

Studienziel

Mit der Studie IT-Trends wollen die Autoren den aktuellen Stand der Unternehmens-IT und Trends der kommenden Jahre ermitteln. Wie gehen Unternehmen im deutschsprachigen Raum mit der Digitalisierung und mit intelligenten Technologien um? Welche organisatorischen Veränderungen gehen damit einher? Wie entwickeln sich die IT-Budgets und auf welche Technologien setzen Unternehmen? Den Teilnehmern wurden Fragen zu den folgenden Themen gestellt:

  • Anforderungen 2019
  • Budgets der kommenden Jahre
  • IT-Organisation und -Betrieb
  • Digitalisierung
  • Big-Data-Analytics
  • Intelligente Technologien
  • Technologie-Trends


Technologie-Ausgaben und Ziele

Die aktuellen Trends veranlassen die Verantwortlichen, ihren IT-Budgets weiterhin grosse Aufmerksamkeit zu schenken. Viele Unternehmer planen jetzt allerdings kurzfristiger. Dies dürfte darauf zurückzuführen sein, weil einige grosse Projekte im Rahmen der Digitalisierung allmählich abgeschlossen werden. Analog dazu spielen Kostensenkungen und Effizienzerhöhungen eine untergeordnete Rolle. Oberste Priorität hat aktuell weiterhin der Ausbau der Digitalisierung, dem sich mehr als 70 % der Befragten widmen wollen. Dafür wird durchschnittlich knapp ein Viertel des gesamten IT-Budgets eingesetzt, bei grossen Unternehmen ab einer Milliarde Euro Jahresumsatz sind es sogar 30 %. Die Mittel für Innovationsprojekte stammen mit rund 56 % noch immer hauptsächlich aus der IT-Abteilung. Fachabteilungen finanzieren knapp jedes dritte Vorhaben. Die Umsetzung richtet sich aber stärker als im vergangenen Jahr nach dem Willen des Hauptgeldgebers. Nur in knapp jedem fünften Unternehmen arbeiten Fach- und IT-Seite immer partnerschaftlich zusammen.

IT-Organisation und -Betrieb

Ein Problem der Digitalisierung ist die steigende Komplexität der IT-Landschaft. Sie spitzt sich offenbar immer weiter zu. Um trotzdem einen stabilen IT-Betrieb zu gewährleisten, setzen gut drei Viertel der Unternehmer auf höhere Automatisierung. Da genügend Geld zur Verfügung steht, stellt knapp die Hälfte der Befragten auch neue Mitarbeitende ein oder verpflichtet Externe. Ebenfalls fast 50 % erhöhen die Outsourcing-Quote. Jeder Vierte hat offenbar Schwierigkeiten, neue Stellen zu schaffen oder zu besetzen, so dass der höhere Aufwand mit Überstunden kompensiert werden muss.

Digitalisierung

Der Stellenwert der Digitalisierung für Unternehmen ist gegenüber dem Vorjahr insgesamt noch einmal leicht gestiegen. Die mit Abstand höchste Bedeutung hat sie in Grosskonzernen mit einem Jahresumsatz von mehr als 20 Milliarden Euro. Den Erfolg der Digitalisierung stufen Unternehmen gegenüber dem Vorjahr als etwas schlechter ein und damit weiterhin als mittelmässig. Angesichts der grossen Anstrengungen und hohen Budgets ist diese Bilanz ernüchternd.

Die besten Ergebnisse wurden bislang bei der Erhöhung der Effizienz erreicht. Es folgen die Sicherung der Marktposition und die Verbesserung des Einkaufs- und Serviceerlebnisses. Mit der Erschliessung neuer Geschäftsfelder in der eigenen oder anderen Branche tun sich die meisten Verantwortlichen noch immer schwer. Wie im vergangenen Jahr ist der Aufbau interdisziplinärer Teams mit Fach- und IT-Mitarbeitenden die wichtigste Massnahme für den Erfolg der Digitalisierung. Auf Platz zwei folgt die gezielte Einstellung von Mitarbeitenden mit entsprechendem Know-how. Die stärkere Vernetzung der eigenen Daten und der Ausbau der Datenanalyse liegt knapp dahinter auf den Plätzen drei und vier und haben in den Augen der Teilnehmer an Bedeutung gewonnen; ebenso der Ausbau der Cloud-Kapazitäten, die auf Platz fünf liegen.

Big Data

Big Data wird hauptsächlich auf zwei Arten genutzt: entweder opportunistisch oder als Kernelement der IT-Strategie. Wie im Vorjahr findet man unter den strategischen Anwendern vor allem grosse Unternehmen und Konzerne ab 1 Milliarde Jahresumsatz aufwärts. Der Mittelstand geht häufig opportunistisch mit Big Data um. Die grosse Mehrheit, das sind fast 90 % der Studienteilnehmenden, arbeitet für ihre Projekte mit externen Partnern zusammen. Die Umsetzung der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat Big-Data-Projekte nach Meinung der Unternehmer in erster Linie deutlich erschwert. Mehr als drei Viertel der Befragten beklagen den damit verbundenen höheren oder viel höheren Aufwand bei gleichzeitiger Ausbremsung der Projekte in mehr als der Hälfte der Unternehmen. Knapp 31 % der Teilnehmer setzen gar keine Big-Data-Technologien ein. Die Quote ist hoch, im Vergleich zum Vorjahr jedoch leicht gesunken. Gründe sind der Mangel an entsprechend qualifizierten Mitarbeitenden oder die dünne Datenbasis. Damit fehlen vielen Unternehmern auch die Grundlagen für den Einsatz intelligenter Technologien.

Intelligente Technologien

Rund 70 % der Befragten setzen bereits intelligente Technologien wie Machine-Learning, Bilderkennung oder Natural Language Processing ein, mehr als 50 % allerdings nur in geringem Umfang. Zu den intensiven Nutzern (knapp 19 %) gehören vor allem Konzerne und der gehobene Mittelstand. Abgesehen von der Dateninfrastruktur und der Expertise hängt die Nutzung intelligenter Technologien stark davon ab, ob die Fachabteilung ihren Einsatz vorantreibt oder nicht. Dementsprechend müssen Unternehmer, die intelligente Technologien einsetzen, relativ wenig für die Mobilisierung und Information ihrer Mitarbeitenden tun. Sie können sich auf Qualifizierungsmassnahmen und das Management von Prozessen und Technologie konzentrieren, da sie die Zustimmung der Belegschaft bereits haben. Die Mitarbeitenden der Fachabteilungen schätzen intelligente Technologien vor allem wegen ihrer Möglichkeiten zur Automatisierung manueller Arbeiten. Sie ist weit verbreitet und inzwischen sehr ausgereift. Darüber hinaus bewerten sie die Nutzung zur intensiven Datenanalyse und zur Vorhersage des Verhaltens von Kunden, Maschinen oder des Marktes ziemlich positiv. Weniger Anklang findet ihr Einsatz bei deutlich komplexeren Einsatzszenarien. Unternehmer wollen den Einsatz intelligenter Technologien innerhalb der nächsten 12 Monate ausbauen.

Technologie-Trends

DSGVO-Compliance ist das Trend-Thema des Jahres. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) wurde erst von rund 53 % komplett umgesetzt. Etwas mehr als ein Viertel arbeitet noch daran. In jedem zehnten Unternehmen ist man bislang nicht über die Planung hinausgekommen. Auf den Plätzen 2 bis 5 stehen ausschliesslich Sicherheitsthemen: Privacy by Design, Multi-Faktor-Authentifizierung, BYOx-Security und Security-Automation. Die Bedeutung von Digital Twins hat in diesem Jahr deutlich zugenommen, obwohl sie noch kaum im Tagesgeschäft eingesetzt werden. Ausserdem sind Migrationen von Anwendungen in die Cloud, Robotic Process Automation (RPA) und DevOps wichtiger geworden. Gearbeitet wird 2019 vor allem an der Anwendungslandschaft: 63 % der Befragten migrieren weitere Applikationen in die Cloud und 58 % bauen neue Plattformen für den Vertrieb, Kundenkontakt, Kernsysteme oder das Internet of Things auf. Solche Architekturen sind unerlässlich, um Daten zu vereinheitlichen und beispielsweise die Kontakthistorie von Kunden komplett darzustellen, Prozesse zu harmonisieren, die Fertigung zu vernetzen oder intelligente Technologien nutzen zu können. Sie bilden das Fundament, um mit der Digitalisierung Mehrwert zu erzeugen.

Intelligente Technologien könnten den Unterschied ausmachen

Die Erhöhung der Datensicherheit ist in weniger Unternehmen Thema als im Vorjahr. Die Datenschutzgrundverordnung ist dort in Kraft und mehr als die Hälfte der Teilnehmer hat die Anforderungen umgesetzt. Demgegenüber fühlen sich jetzt mehr Unternehmen technologisch schlechter aufgestellt als ihr Wettbewerb. Der Anteil ist mit unter 5 % zwar gering, wird in den kommenden Jahren aber eventuell weiter steigen. Es zeichnet sich heute schon ab, dass Unternehmen, die intelligente Technologien einsetzen, Vorteile damit erzielen. Bislang sind das aber nur wenige, während die breite Masse noch damit beschäftigt ist, die Grundlagen dafür zu schaffen, sprich ihre Daten besser aufzubereiten und nutzbar zu machen. Interessant im Zusammenhang mit der Digitalisierung ist auch, dass einige CIO in diesem Jahr das Partner-Ökosystem ausbauen sollen. Ihr Anteil ist mit unter 3 % zwar sehr gering, zeigt aber, dass Vernetzung im Rahmen der Digitalisierung als Thema wahrgenommen wird.
 

Studie IT-Trends 2019 (Web)

Künstliche Intelligenz im Kundenservice (Blog)

Industrie 4.0 – Schweizer Unternehmen haben Aufholbedarf (Blog)

Innovationen dank smarter Digitalisierung, IT-Strategien im Zeitalter der Digitalisierung (Artikel bulletin.ch)

Dezentral, vernetzt und stark digitalisiert, Bericht zu den Energiewelten 2018 (Artikel bulletin.ch)

Mit Cybersecurity sicher in die digitale Zukunft (Web)

 

Textquelle: Capgemini
Foto: pexels.com

 

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