Jetzt ist Wasserstoff am Zug

Mit einer Tankfüllung 1.000 Kilometer weit? Das klingt fast zu schön um wahr zu sein. Der französische Alstom-Konzern möchte diese utopisch klingende Idee zur Realität werden lassen und tüftelt nun an einem Zug mit Brennstoffzellenantrieb für den Schienenverkehr.

Erste Testfahrten hat die „Coradia iLint“ bereits gemeistert und fährt praktisch CO2-frei. Ein grosses Ziel ist dabei der Betrieb mit 100% grünem Gas. «Schon heute wird unter Verwendung von Erdgas 45 Prozent weniger CO2 freigesetzt als bei Dieselzügen», sagt Jens Sprotte, Leiter des Geschäftsbereichs Stadtverkehr & Systeme der Alstom AG. Bis 2020 wolle Alstom ein Konzept für eine vollständig grüne Elektrolyse erarbeiten.

Wasserstoff auf der Schiene

Windstrom und Erdgas sind aber nicht die einzigen Quellen auf die Alstom schaut. Eine dritte Möglichkeit hat sich mit Wasserstoff aufgetan. Mit Wasserstoff könne man zudem auch sogenanntes Mobilitätsrecycling betreiben. Erhebliche Mengen würden ins Erdgasnetz eingespeist und somit verbrannt werden. Doch stattdessen könnte man diese genauso gut einem nahegelegenen Bahnbetrieb zuführen. Hinzu komme, dass Wasserstoff preislich eine gute Option darstellen.

Jens Sprotte wünscht sich seitens der Politik mehr Sensibilität. Der Fokus solle nicht beim Preis liegen. Bislang betreibt Alstom zwei Prototypen. Nun absolvieren die Züge die letzten Testfahrten und warten auf die Zulassung durch das Eisenbahn-Bundesamt. Die Zulassung wird zeitnah erwartet. Das ganze Projekt hat einen grossen Förderer an seiner Seite. Das Bundesverkehrsministerium hat bereits 8,4 Mio. Euro investiert.

Parallel dazu befindet sich Alstom mit ÖPNV-Aufgabenträgern und Bundesländern in verschiedenen Stadien. Ein erster Vertrag wurde im November 2017 mit LNVG geschlossen und weitere 14 Fahrzeuge bestellt. Weitere Bundesländer strecken ihre Fühler aus und bekunden ihr Interesse. Mittlerweile hat der Brennstoffzellen-Zug sogar internationales Interesse geweckt. England, die Niederlanden, Dänemark und Kanada haben ebenfalls an der Tür geklopf. Jens Sprotte ergänzt zum Schluss: «Man merkt, dass das Interesse an emissionsfreier Mobilität stark gewachsen ist.“

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Solche und andere Fragen werden an der Bahntagung 2018 besprochen. Das Programm dieses Jahr ist einzigartig, da es auch einen Stream zur Automation beinhaltet. Vorgestellt werden diesmal unter anderem Projekte von der umweltfreundlichen Erzeugung von Energie bis zur effizienten Umwandlung in den Fahrmotoren des Triebfahrzeuges. Der Stream Automation befasst sich mit der zunehmenden Digitalisierung in allen Bereichen.

 

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