KMU werden beim Klimaschutz immer innovativer

Noch nie haben KMU bei der Klimastiftung Schweiz so viele gute Projekte eingereicht wie im vergangenen Herbst. Deshalb konnte die Stiftung Fördergelder von knapp 2,2 Mio. Franken sprechen. Zusammen mit der Unterstützungsrunde im Frühling 2018 war das einer der höchsten Förderbeträge in der zehnjährigen Stiftungsgeschichte. Seit ihrer Gründung 2008 wurden über 1 400 kleine und mittlere Unternehmen aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein in ihren Aktivitäten für Energieeffizienz und Klimaschutz mit insgesamt 18 Mio. Franken unterstützt.

Schweizer und Liechtensteiner KMU sind schon heute innovativ im Klimaschutz, und sie entwickeln sich laufend weiter: So reicht es etwa der dhp technology aus Zizers nicht, ein preisgekröntes Solar-Faltdach entwickelt zu haben. Denn noch ruhen die Faltdächer auf Stahlträgern, deren Produktion viel graue Energie verschlingt. Die Klimastiftung Schweiz unterstützt nun die Entwicklung eines CO2-neutralen Holztragwerks. Dieses Tragwerk ist eines von über 20 Innovationsprojekten, welche KMU letzten Herbst bei der Klimastiftung Schweiz eingereicht haben. Der Stiftungsrat entschied sich, 15 Projekte finanziell zu unterstützen.

Untätigkeit können wir uns nicht leisten

Zu den weiteren geförderten Innovationsprojekten gehören etwa ein neues Verfahren für das Beschichten von Oberflächen, das ein Drittel des benötigten Materials einspart, oder eine neue Entfeuchtungstechnologie, die nur noch halb so viel Strom benötigt. Daneben profitieren auch drei KMU von finanziellen Beiträgen, welche in ihrem eigenen Betrieb Strom oder CO2 sparen.

«Ich bin immer wieder beeindruckt, wie viel für den Klimaschutz erreicht werden kann durch innovative Produkte, die in der Schweiz und in Liechtenstein entwickelt werden», sagt Vincent Eckert, Geschäftsführer der Klimastiftung Schweiz. «Untätigkeit können wir uns nicht leisten. Das haben unlängst auch die ETH Zürich und MeteoSchweiz-Klimaszenarien für die Schweiz gezeigt. Deshalb freut es mich besonders, dass wir in unserem zehnten Jahr so viele Fördergelder vergeben können».

Ein weiteres Beispiel:

Schweizer Erfindung heizt ganze Hallen mit Sonnenwärme

Mit Sonnenenergie lässt sich nicht nur Strom produzieren, sondern auch Wärme generieren. Die Solarthermie wird jedoch neben der bekannteren Photovoltaik noch wenig eingesetzt. Das Heizen ist für rund 40 % der Klimagase verantwortlich, die in der Schweiz ausgestossen werden. Deshalb hat eine Luzerner Erfindung grosses Potenzial: Der sogenannte «Solar-Luftkollektor» beheizt z.B. Industriegebäude oder Lagerräume mit Sonnenenergie.

«Vor fünf Jahren hat mich die Idee gepackt und nicht mehr losgelassen»,

sagt Erfinder Hans-Jörg Häller von der Dagmerseller Firma Roisatec. «Wir haben mehrere Patente angemeldet. Nun ist unser Kollektor marktreif.» Seit Anfang November ist er unter dem Markennamen «Solvent Technology®» erhältlich. Planer und Installateure aus den Bereichen Heizen, Lüften und Trocknen erhalten damit ein weiteres Instrument für mehr erneuerbare Energie.

«Toblerone» sammelt Energie

Der Solar-Luftkollektor hat die Form einer rund sechs Meter langen Toblerone, gefertigt aus Edelstahl und bedeckt mit einer robusten Kunststofffolie. Er wird beispielsweise auf einem Flachdach angebracht und leitet die gesammelte Wärme über ein Rohr ins Gebäude. «Der Kollektor ist schnell montiert und äusserst betriebssicher», sagt Häller. Denn es gibt im Unterschied zu anderen Systemen keine Flüssigkeit, die auslaufen könnte.

Das Pneu-Servicecenter der Dorfgarage Wagner im luzernischen Zell wird mit zwei der neuen Kollektoren beheizt. «Wir mussten Wärme in den Raum bringen und gleichzeitig die Feuchtigkeit raus», sagt Mitinhaber René Wagner. Er erwartete ausserdem ein angenehmes Raumklima und wurde nicht enttäuscht: «Die Erfindung funktioniert. Wir würden sie jederzeit wieder installieren.» Und wenn der Kollektor einmal nicht mehr gebraucht wird, ist er zu 100% rezyklierbar.

Klimaschutz braucht mehr Innovation

Wenn etwas fürs Klima getan werden soll, dann brauche es gemäss Eckert noch einige Innovationskraft – auch von Schweizer Unternehmen. Die verschiedenen Lösungsansätze seien immer wieder beeindruckend. Wie die Entwicklung der eingereichten Projekte zeigt, lohnt sich Nachhaltigkeit für Firmen auch finanziell, erst recht mit einer Anschubfinanzierung durch die Stiftung.

Stiftung will mehr Anträge unterstützen

Letztes Jahr konnte die Klimastiftung mit rund 3 Millionen Franken Fördermittel den höchsten Betrag in der zehnjährigen Stiftungsgeschichte sprechen. «Das möchten wir dieses Jahr noch übertreffen», sagt Geschäftsführer Vincent Eckert. «Das geht aber nur, wenn wir viele gute Projektanträge von KMU erhalten!» Das Einreichen eines Antrags sei einfach, verspricht Eckert. Ein Online-Formular stehe zum Ausfüllen bereit. Somit soll sich ein Antrag auch bei kleineren Projekten lohnen. Der nächste Eingabeschluss ist im Herbst 2019.

Unterstützung in allen Branchen

Die Klimastiftung Schweiz fördert KMU aller Branchen. Verbesserungen bei Gebäuden, Maschinen, Heizungen und Kühlungen machen einen grossen Teil der unterstützten Massnahmen im Bereich Energieeffizienz aus. In Zusammenarbeit mit der Energieagentur der Wirtschaft EnAW und der Cleantech Agentur Schweiz act unterstützt die Stiftung auch KMU, die mit dem Bund eine freiwillige Zielvereinbarung zum Energiesparen eingehen. Auch gefördert wird die Entwicklung klimafreundlicher Produkte. Die Förderbeiträge sind nicht zurückzahlbare Spenden und werden nach der Erreichung vorher bestimmter Meilensteine ausbezahlt.

Antrag kann sich lohnen

Zweimal jährlich entscheidet die Klimastiftung Schweiz über grössere Unterstützungs-Beiträge an KMU, die innovative Klimaschutz-Produkte entwickeln und vermarkten. Bis zu 200 000 Franken kann ein KMU als Spende erhalten. Auch Firmen, die im eigenen Betrieb Energie sparen, indem sie beispielsweise ihr Dach sanieren, erhalten Unterstützung. Die KMU können so hohe Anfangs-Investitionen abfedern. 

Einfache Antragsprozesse auch für kleine KMU

Das Geld – bis jetzt 18 Millionen Franken – vergibt die Stiftung grösstenteils an KMU, die Produkte im Bereich des Klimaschutzes entwickeln und solche, die im eigenen Betrieb Energie sparen. Die meisten Projekte bewegen sich im Rahmen der standardisierten Fördermassnahmen der Stiftung. Diese Anträge werden online gestellt und innert einem Monat durch die Geschäftsstelle beantwortet. Über Innovationen und grössere oder aussergewöhnliche Projekte entscheidet der Stiftungsrat in seiner halbjährlichen Sitzung. «Als unabhängige Stiftung können wir unsere Antragsprozesse einfach und unbürokratisch gestalten und so auch kleine KMU effizient fördern», sagt Vincent Eckert, Geschäftsführer der Stiftung.

 


Stiftung von der Wirtschaft für die Wirtschaft

Die Klimastiftung Schweiz fördert seit zehn Jahren kleine und mittlere Unternehmen, die sich für den Klimaschutz einsetzen. Über 20 Millionen Franken wurden bereits vergeben. Von der Unterstützung sollen beide Seiten profitieren: Der Klimaschutz, denn es wird messbar weniger CO2 ausgestossen und Strom verbraucht. Und gleichzeitig auch die Unternehmen, die ihre innovativen Ideen umsetzen und damit konkurrenzfähig bleiben können.

Hinter der Klimastiftung Schweiz stehen 27 grosse Dienstleistungsunternehmen aus der Schweiz und dem Fürstentum Liechtenstein. Sie spenden Geld aus ihren Rückvergütungen der CO2-Abgabe für die gemeinsame Stiftung. Diese bündelt die Gelder und setzt sie für Projekte von KMU ein.
 

 

Veranstaltungshinweise

 

Energietechnik - alles aus einer Hand  (Web)

«Energie – sonnenklar», Photovoltaik: Technik und Infrastruktur (Info-Broschüre, PDF)

Entspannt - dank Effizienz, der bewusste Umgang mit Energie (Info-Broschüre, PDF)

Power-to-Product als künftige Rohstoffquelle (Artikel bulletin.ch)

Der Schlüssel zur Verteilung erneuerbarer Energie (Interview bulletin.ch)

 

Weitere Informationen: www.klimastiftung.ch
 

Medienbilder: www.maxcomm-green.com

 

Kommentare zum Beitrag

Lavina vor 1 Monat

Wichtig erscheint mir vor allem Druck auf die Politik,
das Freihandelsabkommen der EU mit Brasilien auszusetzen, bis die Aufforstung
des Regenwaldes beginnt.
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