Konsequenzen bei Installationsarbeiten ohne Bewilligung

Elektroinstallateure benötigen eine Installations- oder Anschlussbewilligung, um entsprechende Aufträge ausführen zu dürfen. Mit welchen Konsequenzen müssen sie rechnen, wenn sie Arbeiten beispielsweise als Freundschaftsdienst in ihrer Freizeit ausführen, ohne diese Voraussetzungen zu erfüllen?

Hanspeter Meier ist gelernter Elektroinstallateur EFZ mit 10 Jahren Berufserfahrung. Sein Nachbar ist Schreiner und hat für Hanspeter Meier schon einige Möbel repariert. Nun hat der Nachbar einen Backofen gekauft und möchte, dass Hanspeter Meier dieses Erzeugnis anschliesst. Der Anschluss des Backofens ist für den gelernten Elektroinstallateur kein Problem. Nach dem Feierabend schliesst er das Gerät an. Bei der Anschlussklemme hat der Hersteller des Backofens den Schutzleiter mit einem Polleiter versehentlich vertauscht. Da das Anschlussklemmbrett des Backofens nicht optimal zugänglich war und schlechte Lichtverhältnisse herrschten, bemerkte Hanspeter Meier diesen Fehler nicht. Ebenso hat er die nach einem Geräteanschluss nötige Erstprüfung nicht durchgeführt.

Rechtliche Konsequenzen bei einem Elektrounfall

Auch als Elektroinstallateur ist Hanspeter Meier nicht berechtigt, derartige Arbeiten ohne Auftrag seines Vorgesetzten auszuführen, da er weder eine allgemeine Installationsbewilligung besitzt noch Inhaber einer Anschlussbewilligung ist. Somit macht er sich strafbar (vgl. Art. 42 Bst. a in Verbindung mit Art. 2 Abs. 1 und Art. 6 Niederspannungs-Installationsverordnung [NIV]).

Das Bundesamt für Energie (BFE) spricht in solchen Fällen (bei fahrlässiger Begehung der Tat) Bussen von bis zu CHF 10 000 und bei vorsätzlicher Begehung Geldstrafen von bis zu CHF 100 000 aus. Aufgrund der Tatsache, dass es sich bei Hanspeter Meier um eine Person handelt, die im Elektroinstallationsgewerbe tätig ist, wird das BFE Vorsatz annehmen.
 


Vorsätzlich handelt, wer die Tat mit Wissen und Willen ausführt
oder wer die Verwirklichung der Tat für möglich hält und in Kauf nimmt.

 


Verursacht eine ohne Bewilligung erstellte elektrische Installation einen Personen- oder Sachschaden, können je nach Sachverhalt anstelle der Strafbestimmung von Art. 42 Bst. a NIV folgende Straftatbestände des Strafgesetzbuches zur Anwendung kommen:

  • Fahrlässige Tötung
  • Fahrlässige Körperverletzung
  • Fahrlässige Verursachung einer Feuersbrunst
  • Gefährdung durch Verletzung der Regeln der Baukunde
  • Beseitigung oder Nichtanbringung von Sicherheitsvorrichtungen

Hanspeter Meier kann auch zivilrechtlich zur Verantwortung gezogen werden. Die zivilrechtliche Haftung kann eine vertragliche oder eine ausservertragliche sein. Er haftet für Schäden, welche durch die mangelhafte Installation verursacht wurden.

Wird beispielsweise ein Familienvater durch die kleine Unaufmerksamkeit von Hanspeter Meier getötet, so kann von der klagenden Partei der sogenannte «Versorgerschaden» geltend gemacht werden. Der Versorgerschaden deckt den finanziellen Ausfall, welcher den Familienangehörigen durch den Todesfall entstanden ist. Solche Schadenszahlungen können sehr hoch sein und sind im Normalfall nur durch eine Berufshaftpflichtversicherung gedeckt.

Ebenfalls muss Hanspeter Meier damit rechnen, der klagenden Partei eine Genugtuung (Schmerzensgeld) bezahlen zu müssen. Bei Tötung oder Körperverletzung eines Menschen kann der Richter unter Würdigung der besonderen Umstände dem Verletzten oder den Angehörigen des Getöteten eine angemessene Geldsumme als Genugtuung zusprechen.

Fazit:
Ein Verstoss gegen die NIV kann auch bei einer sehr einfachen Arbeit schwerwiegende Folgen haben.

 

Installationen_ohne_Bewilligung_Strafbestimmungen


Wichtig:
Zusätzlich zu einer allfälligen Busse fallen bei allen Prozessen Prozess- und Anwaltskosten an.
 

NIV_Installations_Bewilligung


Hinweis

Ein Elektroinstallateur EFZ darf in den von ihm bewohnten oder in seinem Eigentum stehenden Wohnräumen und zugehörigen Nebenräumen Installationsarbeiten ohne Bewilligung ausführen. Ein unabhängiges Kontrollorgan oder eine akkreditierte Inspektionsstelle muss die Arbeiten jedoch kontrollieren und für die Installation einen Sicherheitsnachweis erstellen (Art. 16, Abs. 1 und 3 NIV).
 



Veranstaltungshinweise


Wichtiger Hinweis
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Schlusskontrolle und Abnahmekontrolle, Wahrung des Vier-Augen-Prinzips (Artikel, bulletin.ch)

Zusammenschlüsse zum Eigenverbrauch – NIV, Wie halten Sie es mit der Sicherheit? (Artikel, bulletin.ch)

Der elektrische Unfall (Blog)

Sicher und organisiert arbeiten (Electrosuisse, Web)

Niederspannungs-Installationsverordnung, Jahresbericht 2018 (Strafanzeigen s.S. 3, PDF)

NIV Jahresberichte (ESTI, Web)

 

Text+ Bilder: Thomas Hausherr, Electrosuisse
Headerbild: pixabay

 

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