Studie: Kundenbarometer erneuerbare Energien

Das 9. Kundenbarometer erneuerbare Energien liefert aktuelle Informationen und Trends von Klimaschutz bis Car-Sharing. Die Studie basiert auf den Resultaten von 1021 befragten Personen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Das seit 2011 jährlich erscheinende Kundenbarometer wird von der Uni. St. Gallen in Zusammenarbeit mit der Schweizer Raiffeisenbank und Energie Schweiz erstellt.

Die Resultate dieser Studie zeigen die Entwicklung der Kundenpräferenzen zu energie- und Klimathemen auf. Sie unterstützt darin, neue Trends in den Bereichen energieeffiziente Gebäude, Elektromobilität, gesellschaftliche Akzeptanz der Windenergie, Finanzierung erneuerbarer Energien und «grüne Investitionen» zu erkennen.

Positive Stimmung

Die grundsätzlich positive Einstellung der Konsumenten gegenüber erneuerbarer Energien setzt sich fort. Zwischen der positiven Haltung und der Umsetzung von Massnahmen im Alltag zeigt sich der sogenannte Status Quo Effekt: Die Überwindung des Status Quo ist für Konsumenten mit zeitlichem und emotionalem Aufwand verbunden. Im Strommarkt führt dies beispielsweise dazu, dass nur etwa 10 % der Kunden vom angebotenen Standardprodukt abweichen (Litvine & Wüstenhagen 2011, Kaenzig et al. 2013, Chassot et al. 2017).

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Zusammenfassung

  • Schweizer Konsumenten sorgen sich über den Klimawandel. 55 % der Befragten sind (eher) der Meinung, dass die Klimastreiks der Schülerbewegung #FridaysForFuture gerechtfertigt sind (N=1021). 61% sind der Meinung, dass in der Schweizer Klimapolitik als Reaktion darauf ehrgeizigere Massnahmen ergriffen werden sollten. Die Unterstützung für Klimastreiks kommt von verschiedenen Altersgruppen. Am stärksten unterstützen die ältesten (> 59) und jüngsten (< 30) Teile der Bevölkerung das Anliegen der Schüler. Eine der meistgenannten Assoziationen mit dem Klimawandel sind «schmelzende Gletscher».
     
  • 95 % der Befragten sind der Meinung, dass wir unsere Klimaziele zumindest teilweise in der Schweiz erfüllen sollten. 62 % finden, dass der Anteil der inländischen Emissionsreduktionen 50 % oder mehr betragen sollte1). Ein Anteil von 47 % der Befragten zeigt Interesse an weiteren Informationen über die Folgen einer Reduktion von CO2-Emissionen im Inland im Vergleich zum Ausland. 59 % der Befragten wünschen, dass sich die Schweizer Banken stärker für die Finanzierung von klimafreundlichen Projekten engagieren.
     
  • Eine Möglichkeit, die Emissionen im Inland zu reduzieren, ist der Ausbau der Solar- und Windenergie. Eine grosse Mehrheit befürwortet den weltweiten Einsatz von Sonnen- (88 %) und Windenergie (70 %) und unterstützt den Ausbau von PV (85 %) und Windkraft (57 %) auch auf nationaler Ebene. Von der allgemeinen Akzeptanz zu den persönlichen Emotionen, die die beiden Energiequellen auf lokaler Ebene hervorrufen, wird deutlich, vor welcher Herausforderung Initianten vor allem von Schweizer Windenergieprojekten stehen. Mehr Menschen wären besorgt (42 % vs. 9 %) darüber, wenn Wind- vs. Solarenergie in ihrer Nachbarschaft installiert wird, und weniger Menschen wären stolz darauf (28 % vs. 66 %). Während 70 % der Befragten neugierig auf Windenergie sind, empfindet eine Minderheit von 11 % Wut (8 % der Frauen und 13 % der Männer). Diese Ergebnisse zeigen, dass über die Bereitstellung sachlicher Informationen hinaus die Auseinandersetzung mit emotionalen Anliegen ein wichtiges Element der gesellschaftlichen Akzeptanz ist.

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  • 63 % der Befragten stimmen (eher) zu, dass Flugreisen zu billig sind, was einem Anstieg von 6 Prozentpunkten gegenüber 2018 entspricht. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass eine Steuer von rund CHF 20 auf Kurzstreckenflügen bei einem grossen Teil der Bevölkerung Zustimmung finden könnte. 24 % der Befragten sind grundsätzlich gegen eine CO2-Steuer auf Flugtickets. 
     
  • 33 % der Autofahrer (N=887) könnten sich (eher) vorstellen, in den nächsten zwei Jahren ein Elektroauto zu kaufen. Dieser Anteil steigt auf 47 %, wenn man auch die Interessenten mit einbezieht, die zu einem späteren Zeitpunkt ein Elektroauto kaufen wollen. 65 % der Carsharing-Kunden (N=330) geben an, dass sie es vorziehen würden, statt eines Autos mit Verbrennungsmotor ein Elektroauto zu mieten, wenn sie die Möglichkeit dazu hätten.

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  • Positive Emotionen zu Solarenergie sind ein starker Indikator für das Interesse an anderen energiebezogenen Investitionen. Zum Beispiel liegt bei denjenigen, die neugierig auf Solarenergie sind, eine doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit, in den nächsten zwei Jahren ein Elektroauto zu kaufen. Zum ersten Mal seit 10 Jahren haben Solaranlagen mit Batteriespeicher die Wärmepumpen als beliebteste Investitionsoption für Hausbesitzer überholt. 
     
  • Eine Mehrheit der Befragten (58 %) würden eine obligatorische Zertifizierung der Energieeffizienz von Gebäuden (GEAK) 2 unterstützen. Nur 8 % sind sich bewusst, dass eine obligatorische Zertifizierung in anderen Ländern den Wert energieeffizienter Immobilien gesteigert hat. Eine Mehrheit unterschätzt die Importabhängigkeit der Schweiz deutlich: Nur 4 % der Befragten wissen, dass 75 % des schweizerischen Energiebedarfs (Wärme, Strom und Treibstoffe) durch Importe gedeckt werden, 3 Prozentpunkte weniger als im Vorjahr.

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1 Umfasst 968 von 1021 Teilnehmenden, die sagten, die Schweiz solle zwischen 10% und 100% ihrer Klimaziele im Inland erreichen.
2 Gebäudeenergieausweis der Kantone, GEAK


Veranstaltungshinweise

 

9. Kundenbarometer erneuerbare Energien (PDF)

e'mobile, Fachgesellschaft für energieeffiziente Mobilität (Web)

The solar power village (filmsfortheearth, Video, englisch)

«Energie – sonnenklar», Photovoltaik: Technik und Infrastruktur (Info-Broschüre, PDF)

«Olympic House», Symbol der Nachhaltigkeit (Blog)

Globales Energiesystem mit 100% erneuerbarer Energie (Blog)

Mehr Eigen­verbrauch mit Batteriespeichern? Photovoltaikanlagen (Artikel, bulletin.ch)

Solarstrom gestern und heute, Imagewandel, Kostenreduktionen und aktuelle Herausforderungen (Artikel, bulletin.ch)

 

Quelle + Bilder: Uni. St. Gallen

 

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