Unter Höchstspannung: Elektroauto im Faraday’schen Käfig

Die Fahrzeugindustrie ist gefordert, denn Elektrofahrzeuge sind heute keine Nischenprodukte mehr. Auch für Verantwortliche renommierter Marken beginnt eine neue Ära, denn Automobilisten fordern immer mehr Auswahl und Leistung. Es wird viel geforscht und getestet, denn die Elektromobilität ist ja eigentlich kein Kerngeschäft der Fahrzeughersteller, auch wenn es sich grundsätzlich um «Autos» handelt. Themen wie Ladeleistung, Batteriesicherheit oder neue Serviceleistungen stehen ganz oben auf den Checklisten. Unternehmen wandeln sich von klassischen Automobilherstellern zu Systemanbietern für Mobilität, die ihren Kunden massgeschneiderte Lösungen anbieten, egal, ob zu Hause oder unterwegs – und die Konkurrenz schläft nicht.

Die Rekordmeldungen häufen sich: kurze Ladezeiten und grössere Reichweiten sind Trumpf. Audi informierte z.B. über seinen e-Tron, der in 30 Min. bis zu 150 kW Strom laden kann, um die nächste Langstrecke in Angriff zu nehmen. 400 km Reichweite im WLTP-Fahrzyklus sind heute keine Seltenheit mehr.

Ein Szenario: tanzender Lichtblitz und pulsierendes Bruzzeln über dem Autodach

42 mal 32 mal 25 m misst der Faraday‘sche Käfig des Siemens Hochspannungs-Prüffelds im Schaltwerk Berlin. In der weltweit grössten Produktionsstätte für Schalttechnik erforscht ein Team aus Elektrikern und Ingenieuren eine Blitzstossspannung von bis zu drei Millionen Volt. Die 1958 erbaute Parabelhalle beherbergt dafür einen haushohen Stossspannungsgenerator. Mittendrin: der Audi e-tron-Prototyp. Ein Licht-Blitz tanzt mit einem pulsierenden Bräuseln über das Autodach und erhellt die 25 m hohe Halle. Die Experten haben einen Spannungsüberschlag gezielt auf das Auto geleitet. Dieses Experiment steht sinnbildlich für einen Jahrtausende alten Menschheitstraum: das Einfangen von Blitzen und die Nutzung deren Energie. Zwar lässt sich ein Elektroauto auch heute noch nicht mit einem Blitz laden, doch sind die Ingenieure der Vision des «blitzschnellen Aufladens» einen Schritt näher gekommen. Die Serienversion des Audi e-tron-Prototypen soll als erstes Automobil im Markt mit bis zu 150 kW laden können. Ausserdem informieren ausgeklügelte Systeme im Wagen über passende Routen mit Ladepunkten und beachten dabei auch gleich den Ladezustand der Batterie. Unter Berücksichtigung der aktuellen Verkehrslage wird die Ankunftszeit inkl. der notwendigen Ladezeit berechnet.

Laden zu Hause: ein Gemeinschaftswerk

Von ganz einfach bis ultra technisch: Für das Laden zu Hause gibt es mittlerweile die unterschiedlichsten Lösungen. Heute müssen verschiedene Branchenplayer zusammenarbeiten, um erfolgreich zu sein: Autohersteller, Anbieter von Ladeinfrastrukturen, Elektrounternehmer, EVU, Solarspezialisten, Architekten etc. kümmern sich um die Vorlieben ihrer Kunden. So entsteht auch eine neue Zusammenarbeit unter den Branchen. …und das dürfte erst der Anfang sein. Es wird eine Frage der Zeit sein, bis die Angebote voll in Smart-Home-Lösungen integriert sein werden. Dann wird sich das Auto nach dem Terminplan des Besitzers richten; Ladestatus oder vorklimatisiert wird das Auto am Standort bereitstehen und in einem weiteren Schritt seine Passagiere auch autonom an den Bestimmungsort bringen.

 

Energieeffiziente Fahrzeuge, Marktübersicht 2018

«Anschluss finden» - Elektromobilität und Infrastruktur, Info-Broschüre (download)

«Energie – Sonnenklar» Photovoltaik: Technik und Infrastruktur, Info-Broschüre (download)

e’mobile.ch, Ausstellungen und Events

 

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