Wer schützt uns vor Cyberkriminalität?

Haben Sie gewusst, dass Software nicht dem Produktehaftpflichtgesetz unterliegt? Ich nicht. Wir sprechen seit Längerem über Smart Home, bei dem die Geräte vernetzt und «intelligent» sind – aber auch angreifbar. Stellen Sie sich nun vor, dass Ihr vernetzter, mit künstlicher Intelligenz ausgestatteter Kühlschrank aufgrund seiner Algorithmen 1000 Liter Milch bestellt, da der Preis gerade besonders attraktiv ist. Das ist noch eines der witzigeren Beispiele. Was, wenn ein autonomes Fahrzeug «lernt», dass es für die Gesellschaft günstiger ist, den Fussgänger oder Velofahrer zu töten statt nur zu verletzen? Wer haftet in solchen Fällen?

An der Electrosuisse-Fachtagung «TechTreff Automation» in Windisch referierte Hannes Lubich, Professor für ICT System & Service Management an der FHNW, über Cyber-Security, die Risiken der Digitalisierung und insbesondere der künstlichen Intelligenz (KI). Sein Vortrag war mit Anekdoten gespickt. Trotzdem blieb einem, aufgrund der durchaus realistischen (Horror-)Szenarien, das Lachen im Hals stecken. Das hat sehr wohl seinen Grund.

Alles im Griff?

Haben wir das IoT, die Digitalisierung und insbesondere die KI gegenüber der Cyber-Kriminalität überhaupt im Griff? Ein weiteres, schon sehr beängstigendes Beispiel: Tay, ein Chatbot von Microsoft mit künstlicher Intelligenz, sollte im Netz lernen, wie junge Menschen sprechen. Nach wenigen Stunden musste der Versuch abgebrochen werden. Warum? Aus Tay war innert dieser kurzen Zeit ein rassistisches, frauenfeindliches Scheusal geworden. 

Kein «Zusatzgewinn»?

Bedenken, dass Cyber-Angriffen und der Ethik bei KI in Unternehmen zu wenig Beachtung geschenkt wird, sind durchaus berechtigt. Es gibt zwar Lippenbekenntnisse von Wirtschaftsführern, das Thema weit oben auf die Traktandenliste zu setzen. Letztlich ist aber mit Investitionen in Cyber-Security gegenüber den Shareholdern kein Blumentopf zu gewinnen. 

...verantwortlich ist...

Wer soll nun die ethischen und rechtlichen Schranken setzen? Die Entwickler selbst? Wohl kaum; sie sind eher darauf bedacht, die ihnen zur Verfügung stehenden softwaretechnischen Möglichkeiten voll auszuschöpfen. Die Politik? Eher nein. Da sehe ich zum einen die fehlenden Fachkompetenzen und zum anderen die starke Bindung zur Wirtschaft. Es gibt sicher Firmen, die das Thema ernst nehmen, aber längst nicht alle (siehe oben). Letzten Endes braucht es den Druck aus einer Gesellschaft, die diese Gefahren endlich wahrnimmt und die Experten, die schon seit einiger Zeit eindringlich auf die Problematik aufmerksam machen, nicht weiter ignoriert. Und es gibt sie, diese Experten – zuhauf.
 

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Veranstaltungshinweis

 

Text: Andreas Leu
Foto: Pete Linforth von Pixabay

 

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